„Das Nest“ | Cynthia D`Aprix Sweeney

Titel im Original:  „The Nest“
Autor:  Cynthia D`Aprix Sweeney
Aus dem Amerikanischen übersetzt von N. von Schweder-Schreiner
Verlag:  Klett Cotta Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  408
ISBN:  978-3-608-98000-4

Melody, Jack, Bea und Leo sind Geschwister. Sie sind in ihren Vierzigern, stehen mitten im Leben und sie haben immer gewusst, sie würden eines Tages erben. Aber was, wenn die Erbschaft ausbleibt?
Ein warmherziger, humorvoller und scharfsinniger Roman darüber, wie der Kampf ums Geld Lebensentwürfe und Familien durcheinanderbringen kann.

Meine Meinung

„Das Nest“ erzählt die tiefgründige und sehr unterhaltsame Geschichte der Familie Plumb. Hier ist nicht nur das Cover wunderschön, auch die Geschichte, ist lesenswert und regt zum Schmunzeln und Kopfschütteln an!

Die meisten Familien sind verkorkst, so auch die Plums! Bea, Melody und Jack warten sehnsüchtig auf Mels 40. Geburtstag: der Stichtag zur Auszahlung ihres Trustfundfonds, der in Familienkreisen nur „Das Nest“ genannt und vom Vater vor Jahrzehnten für sie ins Leben gerufen wurde. Sie alle brauchen das Geld dringend, haben sie doch ihr bisheriges Leben rein auf der Gewissheit aufgebaut, eines Tages in Besitz dieser Moneten zu kommen. Folglich soll diese Erbschaft für jeden die individuelle Rettung sein, denn nicht nur untereinander haben die Geschwister ihre Geheimnisse, auch vor ihren Partnern waren sie nicht immer ehrlich.
Kurz vor dem heiß erwarteten Tag X kommt eine ungeheuerliche Wahrheit ans Licht: das Geld ist weg. Nach einer schrecklichen Unfallfahrt des vierten Geschwisterteils Leo und der daraus resultierenden Scheidung und Neufindung, hat die Mutter den größten Teil des Fonds an Leo ausgezahlt. Und dieser sieht es mit der raschen Begleichung seiner Schulden nicht ganz so eng!
Plötzlich platzen Träume und Illusionen. Lebenspläne müssen über den Haufen geworfen werden und die Geschwister sehen sind wohl oder übel dazu genötigt wieder miteinander zu sprechen!

Mit „Das Nest“ hat Cynthia D’Aprix Sweeney für mich einen der interessantesten Familienromane der letzten Jahre geschrieben. Sprachlich elegant und trotzdem angenehm unprätentiös, was sicher auch ein Verdienst des Übersetzers ist, gelingt es ihr, mich für jeden der vier Plumbs einzunehmen. Was ehrlich gesagt schon eine Kunst ist, denn eigentlich sind sie alle Vier ziemlich unsympathisch, lebensunfähig und egozentrisch. Die Autorin verknüpft all diese Handlungsstränge mit Leichtigkeit. Auch wenn es streckenweise sehr dramatisch zur Sache geht, liest sich das Buch wunderbar leicht und flüssig.

Die große Stärke dieses Romans ist für mich die Beobachtungsgabe. Jeder der vier Geschwister hat seine ganz besondere Geschichte und jeder für sich ist ein interessanter Charakter mit Geheimnissen. Teilweise verständlich und nachvollziehbar, teilweise greift man sich als Leser und rational denkender Mensch auch einfach nur auf den Kopf!
Die Autorin kann die Dynamik innerhalb der Familie sehr gut nachzeichnen. Doch auch deren direktes Umfeld ist von der plötzlich veränderten Situation betroffen. Nun müssen die Plumbs vor allem erst einmal sich selbst und dann schnellstmöglich eine Lösung für ihre finanziellen Probleme finden. Doch in der Gesellschaftsschicht, aus der sie stammen, ist das nicht immer das einfachste Unterfangen. Schnell wird deutlich, dass sich die Geschwister ihren Lebensstil eigentlich gar nicht leisten können. Trotzdem geht es immer wieder darum, etwas darzustellen.

Auch wenn „Das Nest“ kein Spannungsroman ist, konnte mich die unterschwellige Spannung durchgehend bei der Stange halten. Es ist ein Buch über große Hoffnungen und kleine Siege. Ein Entwicklungsroman und ein Sittengemälde der New Yorker Society, wie ich sie bisher nur aus Woody-Allen-Filmen kannte!

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