„Der Klavierstimmer ihrer Majestät“ | Daniel Mason

Titel im Original:  „The Piano Turner“
Autor:  Daniel Mason
Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Heller
Verlag:  C.H. Beck
Genre:  Historischer Roman
Seitenzahl:  396
ISBN:  978-3-406-74888-2

London 1887. Die britischen Kolonialherren in Afrika und Asien stehen auf der Höhe ihrer Macht. Doch von den Gewaltverbrechen in der Ferne bekommt der Klavierstimmer Edgar Drake wenig mit, er hat Großbritannien noch nie verlassen – bis sein beschauliches Leben plötzlich komplett auf den Kopf gestellt wird: Wieso schickt ihn das britische Kriegsministerium in den umkämpften Dschungel von Birma, um einen Flügel zu reparieren?

Meine Meinung

Ein neuer Historischer Roman von Daniel Mason ist auf dem Markt und natürlich musste ich ihn wieder sofort verschlingen …

Edgar Drake ist einer der talentiertesten Klavierstimmer Englands. Kurz nach dem Fall von Mandalay wird er vom Kriegsministerium gebeten, den wertvollen Konzertflügel eines hochrangigen Militärarztes zu stimmen. Das an sich wäre noch nicht ungewöhnlich, wenn sich nicht der Militärarzt Anthony Carroll und auch sein Klavier irgendwo mitten in Burma befinden würden …
Anthony Carroll scheint ein sehr mysteriöser Mann zu sein. Ihm wird nachgesagt, durch seine Musik und seine Gedichte eine ganz besondere Verbindung zu den Herrschern Burmas aufgebaut und so auch einen Friedensvertrag mit den Shan ausgehandelt zu haben. Da Drake sich dessen Rolle für das Britische Empire bewusst ist, leistet er der Bitte des Kriegsministeriums folge und reist in das für ihn noch unbekannte Land.

Dank Daniel Masons detaillierte und spannende Erzählweise wird die Reise des Klavierstimmers für den Leser zu einem wahren Erlebnis. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich überwiegend mit der Schiffsreise und seinen Abenteuern zu Pferde. Wir lernen mit ihm die einzelnen Städte und die Menschen etwas besser kennen, ihre Kultur und ihre Bräuche. Aber auch die militärischen Begebenheiten der damaligen Zeit werden für den Leser sehr gut erklärt. Der Autor erzählt dabei so bildhaft und lebendig, dass man direkt in die Geschichte eintauchen kann.
Die zweite Hälfte befasst sich mit Drakes Aufenthalt. Natürlich ist er vom exotischen Burma und dem mysteriösen Militärarzt fasziniert, was die Geschehnisse für mich fast surreal erscheinen ließ.

Daniel Masons Protagonisten sind auch in diesem Buch wieder ungemein überzeugend. Man fühlt sich zu ihnen hingezogen, auch wenn man nicht alle Taten für gut heißen kann und ich wollte sie unbedingt weiter begleiten. Der Autor bietet immer mehr Details, ohne aber dabei den Leser über zu strapazieren.

„Der Klavierstimmer ihrer Majestät“ erinnert mich sehr stark an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“, auch wenn die beiden Geschichten natürlich nicht miteinander konkurrieren  können.
Ein wirklich gut recherchierter historischer Abenteuerroman der das Burma  des endenden 19. Jahrhunderts, zwischen dem Ende der Eigenstaatlichkeit und dem Kolonialismus, lebendig werden lässt.

Eine spannende Abenteuererzählung mit viel Poesie und Musik aus der Feder eines grandiosen Schriftstellers!

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