„Die Gesichter des Meeres“ | Leena Lander

Rezensionsexemplar
Vielen Dank an den Verlag!

Titel im Original:  „Kuka vartijoita vartioi“
Autor:  Leena Lander
Aus dem Finnischen übersetzt von Stefan Moster
Verlag:  btb Verlag
Genre:  Historischer Roman
Seitenzahl:  581
ISBN:  978-3-442-71883-2

Irland, 1895. Die Fregatte Palme lag an Heiligabend 1895 ungefähr fünfhundert Meter von der Stelle entfernt, an der das junge Mädchen stand und winkte. Sie war mit ihrem Vater zum Wellenbrecher gekommen, aber William Donoghue stand nicht mehr neben ihr, sondern befand sich mit 14 Kameraden im Seenotrettungsbot. Gemeinsam versuchten sie, sich durch den Sturm zu den Schiffbrüchigen vorzukämpfen.

Meine Meinung

Irland, an Heiligabend 1895. Vor der Küste von Kingstown läuft der Frachter „Palme“ auf Grund. Neben der Besatzung befindet sich auch die Kapitänsgattin mit ihrem Säugling, sowie der 13-jährige Matias Sahlmann, der als blinder Passagier an Bord gekommen ist, auf dem festsitzenden Schiff. Während die Schiffbrüchigen auf Hilfe warten, kommen 15 Seenotretter bei einem ersten Rettungsversuch in den eisigen Fluten ums Leben. Die Bewohner der Hafenstadt und die Angehörigen sind traumatisiert. Warum richtete sich das Rettungsboot nach dem Kentern nicht wieder auf? Eigentlich hätte es dies tun sollen! Lag menschliches Versagen vor oder wurden die Männer mit einem nicht seetauglichen Boot auf das stürmische Meer hinausgeschickt?
Die Untersuchung des Unglücks entwickeln sich zum wahren Krimi, in dem jede Partei seine eigenen Ziele zu verfolgen scheint …

„Die Gesichter des Meeres“ von Leena Lander ist ein sehr starker Roman mit interessantem historischen Hintergrund, den man aber nicht mal so nebenbei weglesen kann. Der Aufbau der Handlung, die erzählte Geschichte, aber auch der Schreibstil der Autorin sind anspruchsvoll und fordern die Aufmerksamkeit des Lesers.

In dem Roman tauchen eine Vielzahl von vielschichtigen Charakteren auf, deren Handlungen ich wirklich gerne verfolgt habe, auch wenn der Klappentext eigentlich auf eine ganz andere Geschichte hindeutet. Besonders gut hat mir der Erzählstrang um das Kentern des Rettungsbootes und die verschiedenen Meinungen dazu gefallen.
Leider verläuft sich der Roman nach der ersten Hälfte und einige Szenen werden beim Lesen sehr langatmig und wirr. Die Protagonisten verfangen sich immer öfter in seitenlangen Erörterungen von Nebensächlichkeiten, die mit der eigentlichen Handlung überhaupt nichts zu tun haben. Dadurch wird der Spannungsbogen immer wieder unterbrochen.

Im Jahre 2012 recherchiert eine finnische Schriftstellerin über das Unglück rund um die Havarie der „Palme“. Neben dem spannenden, aber auch bedrückenden Thema muss sie sich auch noch mit der Vergangenheit ihres schweigsamen Ehemannes auseinandersetzen! Dieser zweite Erzählstrang hat mich am Ende doch ziemlich ratlos zurückgelassen. Man versteht zwar den Zusammenhang zu der damaligen Tragödie, die Erzählung beeinflusst aber nicht den Ausgang der Geschichte. Sie läuft einfach locker nebenher.

Für alle Seefahrtinteressierten und Freunde von eher schwergewichtigeren historischen Geschichten ist „Die Gesichter des Meeres“ auf jeden Fall ein Blick wert!

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