„Die magische Gondel“ | Eva Völler

Autor:  Eva Völler
Mit Illustrationen von Tina Dreher
Verlag:  Baumhaus Verlag
Genre:  Fantasy | Historischer Roman
Zeitenzauber-Reihe, Band 1
Seitenzahl:  333
ISBN:  978-3-8339-0026-6

Die 17jährige Anna verbringt ihre Sommerferien in Venedig. Bei einem Stadtbummel erweckt eine rote Gondel ihre Aufmerksamkeit. Seltsam. Sind in Venedig nicht alle Gondeln schwarz?
Als Anna kurz darauf mit ihren Eltern eine historische Bootsparade besucht, wird sie im Gedränge ins Wasser gestoßen – und von einem unglaublich gut aussehenden jungen Mann in die rote Gondel gezogen.
Bevor sie wieder auf den Bootssteg klettern kann, beginnt die Luft plötzlich zu flimmern und die Welt verschwimmt vor Annas Augen …

Meine Meinung

Eigentlich finde ich Geschichten über Zeitreisen ja immer verstörend. Begeistern konnten mich bisher nur die wenigsten, aber allein schon die Idee, auf eigene Faust die Vergangenheit oder die Zukunft zu erkunden, macht mir immer wieder Lust auf neue Romane zu diesem Thema.

Auch wenn ich Venedig noch nie besucht habe, hat mich die Kulisse hinter „Die magische Gondel“ sofort in ihren Bann gezogen. Eva Völler konnte auch die Harmonie und das Temperament der Italiener sehr gut und authentisch einfangen. Wir bekommen nicht nur einen bildlichen Eindruck des heutigen Venedigs mit seinen Sehenswürdigkeiten und den Besonderheiten, sondern auch die fesselnde Beschreibung der historischen Stadt 1499.
Die Autorin vergleicht Venedig in den einzelnen Jahrhunderten immer wieder miteinander, was den Wandel der Stadt über einen sehr langen Zeitraum sehr eindrucksvoll darstellt.

Bis zum Tag der „Regata Storica“ war es ein ganz normaler Sommerurlaub für Anna. Ausschlafen, durch die Stadt bummeln und Tramezzini auf einem der vielen Plätze Venedigs genießen, während die Eltern sich kulturell Ertüchtigen. Doch dann geschieht ein dummer Zufall nach dem anderen:  Anna und ihre Bekanntschaft kommen zu spät zur Regatta und die besten Zuschauerplätze sind schon verstellt. Dennoch finden sie einen richtigen „Logenplatz“ direkt an einer Anlagestelle, wie für sie freigehalten. Nach Beginn der Veranstaltung legt eine rote Gondel zu ihren Füßen an, um noch jemanden an Bord zu lassen. Dass Anna bei diesem Trubel in den Kanal fällt, kann schon mal passieren. Aber dass sie sich dann im Jahr 1499 wiederfindet und eine Zeitreise angetreten hat, die gar nicht für sie bestimmt war, da hört der Zufall auch schon wieder auf …

Die Handlung ist sehr gut durchdacht und wurde für den Leser spannend aufgebaut. Immer wieder erhalten kleinere Details in späteren Szenen eine größere Bedeutung und die doch unerwarteten Wendungen sorgen für viel Spannung. Zudem ist das Buch mit Witz und Leichtigkeit geschrieben.

Die Geschichte wird aus Annas Perspektive erzählt. Ich mochte sie als Protagonistin sehr gern, wirkt sie doch wie eine taffe junge Frau, die verständlicherweise in dieser ungewöhnlichen Situation schnell an ihre Grenzen stößt. Sie gerät von einem Abenteuer in das Nächste und weiß nicht so recht wem sie trauen kann. Sebastiano, als ihr Gegenpart, ist ein Zeitwächter und versucht Anna in die heutige Zeit zurück zu bringen. Bei ihm hätte ich mir zwar ein bisschen mehr Tiefe gewünscht, dennoch war er mir sehr sympathisch.
Natürlich entspinnt sich aus den beiden eine Liebesgeschichte, die aber nicht schon von der ersten Minute klar ersichtlich ist. Dieser Erzählstrang wurde von Eva Völler wirklich gut und erfrischend aufgebaut. Zu Beginn handelt es sich eher um ein verbales Verhältnis mit vielen schlagfertigen Dialogen. Erst nachdem die gemeinsamen Herausforderungen gemeistert sind, kommen sich die beiden näher!

Zudem hat die Autorin ein gutes Auge für Details. Als Anna versucht, den Leuten 1499 beispielsweise von ihrem iPod zu berichten, merkt sie, dass sie moderne Wörter gar nicht aussprechen kann. Sie verwandeln sich automatisch in das Wort, dass es zu der damaligen Zeit gab. Aus dem „Klo“ wird so ganz automatisch der „Abtritt“.

„Die magische Gondel“ ist ein toller Auftakt für die Zeitenzauber-Reihe!
Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, macht aber Lust auf mehr …

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