„Schachnovelle“ | Stefan Zweig

Autor: Stefan Zweig
Verlag: Anaconda
Genre: Zeitgeschichtlicher Roman  |  2. Weltkrieg
Seitenzahl:   128
ISBN: 978-3-86647-897-8

Für den kultivierten Großmeister Dr. B. ist das Schachspiel mehr als eine geistige Beschäftigung: Es wurde ihm einst zum Überlebensmittel, denn in der zermürbenden Einsamkeit seiner Gestapohaft hatte er aus dem strengen Regelwerk des Schachs seine Widerstandskraft gezogen. Nun trifft er auf den Weltmeister Czentovic, einen stumpfen Charakter, der mit mechanischer Präzision vorgeht. Zwei Spielhaltungen prallen aufeinander und mit ihnen zwei Lebenswelten.

Die „Schachnovelle“ ist das eindrucksvolle Vermächtnis des schließlich selbst am Leben verzweifelten Stefan Zweig.

Meine Meinung

Was wäre denn eine Bibliothek ohne die alten österreichischen Klassiker?
Stefan Zweig  war mir zwar in der Jugend nicht gerade der Liebste, aber jetzt im „Alter“ weiß ich den guten Mann doch zu schätzen. Für mich gehört die „Schachnovelle“ sicher nicht zu den spannendsten Kurzromanen, aber doch zu denen, die am längsten in einem nacharbeiten und dem Leser noch sehr lange präsent bleiben.

Während des gesamten Buches befinden wir uns auf einem großen Personendampfer, begleiten die Passagiere auf ihrer Überfahrt von New York nach Buenos Aires und werden dabei Zeugen einer ungewöhnlichen Schachpartie. Der Schachweltmeister Mirko Czentovic wird von einem ehrgeizigen Geschäftsmann namens McConnor zu einer Partie herausgefordert. Dieser wittert das Preisgeld und willigt ein, in der Revange sogar gegen mehrere Passagiere gleichzeitig antreten. Doch auch dieses Unterfangen scheint zu scheitern, bis sich der unbekannte Dr. B. ins Geschehen einmischt und die Partie noch in ein Unentschieden retten kann.
Der Erzähler und Dr. B. begegnen sich am folgenden Tag wieder und es kommt zu einem langen Gespräch, in dessen Verlauf Dr. B. berichtet, was ihn zu einem so guten Schachspieler werden ließ.

Die „Schachnovelle“ vermittelt die gesammelten Aufzeichnungen eines Lebens, das durch die Gestapo völlig zerstört wurde. Der Leser bekommt einen sehr guten Einblick in die Foltermethoden der Nationalsozialisten. Die Schilderungen fühlen sich beim Lesen so real an, als würde man selbst daneben stehen. In beeindruckenden Bildern, erzählt Stefan Zweig von dem geistigen Tod durch die Isolationshaft, durch fehlende Anregungen. Aber auch davon wie das rettende Seil zum Strick um den Hals werden kann.

Meiner Meinung nach weist dieser Kurzroman einige autobiographische Züge von Stefan Zweig auf. Der österreichische Autor sah sich durch seine Emigration nach Brasilien, wo dieser Roman auch entstand, als ein Gefangener in einem scheinbar goldenen Käfig. Die Umgebung war natürlich eine Wertvollere, aber im Inneren fühlte sich Stefan Zweig wahrscheinlich ebenso verloren wie Dr. B.
Er war der Heimat und der Freunde beraubt und auch der Glaube an die Kunst und die Menschheit sind ihm durch die Kriegsgeschehnisse verloren gegangen.

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