„Die Tote von Charlottenburg“ | Susanne Goga

Autor:  Susanne Goga
Verlag:  dtv Verlag
Genre:  Kriminalroman
3. Fall von Leo Wechsler
Seitenzahl:  294
ISBN:  978-3-423-21381-3

Berlin 1923. Eine engagierte Ärztin und Frauenrechtlerin wird tot in ihrer Charlottenburger Wohnung gefunden. Ihr Neffe will nicht an einen natürlichen Tod glauben.  Und in der Tat hatte sich die Ärztin zu Lebzeiten viele Feinde gemacht. Kommissar Leo Wechsler ermittelt – es ist ein Fall, der ihn vor ganz neue Herausforderungen stellen wird …

Meine Meinung

Leo Wechsler ist doch immer wieder eine Reise ins Berlin der 20er Jahre wert …
Auch in diesem Fall beweist er wieder seine wunderbare Kombinationsgabe, gepaart mit viel Menschlichkeit und Familiensinn!

Berlin 1923! Die renommierte Ärztin Henriette Strauss stirbt nach kurzer, aber schwerer Lungenkrankheit. Doch ihr Neffe Adrian Lehnhardt, ein aufstrebender Violinist, der tief mit seiner Tante verbunden war, glaubt nicht an einen natürlichen Tod. Henriette war eine aktive und lebensfrohe Frau, die immer sehr bewusst gelebt hat. Sie machte sich außerdem einen Namen, indem sie Frauen bei nicht gewollten Schwangerschaften beriet und vehement gegen den Paragraphen 218 eingetreten ist. Leo Wechsler und sein Team werden mit den Ermittlungen betraut …

Auch in „Die Tote von Charlottenburg“ gelingt es Susanne Goga wieder perfekt die Ermittlungen in einen sehr gut recherchierten historischen Hintergrund einzubetten. Der zunehmende Verfall der Währung, die dadurch bedingte Knappheit von Gütern des täglichen Bedarfs und das Pogrom im Scheunenviertel spiegeln die damaligen Umstände wieder.
Unser sympathischer Kommissar ist bei all diesen Ereignissen persönlich beteiligt und hilft auch schon mal auf unkonventionelle Weise wo er kann!

Leo Wechsler muss den Mord an einer Frau aufklären, die ihre Freiheit liebte, die selbstbewusst und mutig war, sich aber auch immer wieder gegen Widerstände durchsetzen musste. Seine Lebensgefährtin Clara hatte Doktor Strauss im gemeinsamen Urlaub flüchtig kennengelernt und kann ihre persönlichen Eindrücke über die Tote wiedergeben. Die selbstbewusste und weitgereiste Ärztin hat die junge Frau auch damit beeindruckt, dass sie sich für Yoga begeisterte und sich für das, zur damaligen Zeit, „minderwertige“ Geschlecht engagierte.
Mit Clara hat die Autorin, neben der Verstorbenen, eine weitere starke Frauenfigur geschaffen, die wir in diesem Band ein bisschen näher und persönlicher kennen lernen durften!

Ebenso lernen wir einen neuer Mitarbeiter der Berliner Mordkommission kennen. Der junge Jakob Sonnenschein ist freundlich, fleißig und intelligent – und Jude! Was ihn und besonders seinen Vater im Berlin der 20er Jahre zur Zielscheibe von Anfeindungen macht. Die prekäre Situation der Bevölkerung ist zwar nicht direkt Thema dieses Krimis, aber doch ständig präsent.

Die Lösung des Kriminalfalls wird dem Leser schon bei knapp der Hälfte des Romans klar. Für mich hat es aber immer wieder einen voyeuristischen Reiz, Leo Wechsler dabei zu beobachten, wie er sich Stück für Stück näher an die Wahrheit herantasten.
Auch die Balance zwischen der Krimihandlung und seinem Privatleben war erneut geglückt und gut dosiert. Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit ihm und Clara Bleibtreu weitergeht!

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