„F“ | Daniel Kehlmann

Autor:  Daniel Kehlmann
Verlag:  Rowohlt Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  380
ISBN:  978-3-498-03544-0

Es ist der Sommer vor der Wirtschaftskrise. Martin Friedland, katholischer Priester ohne Glauben,  übergewichtig, weil immer hungrig, trifft sich mit seinem Halbbruder Eric zum Essen. Der hochverschuldete, mit einem Bein im Gefängnis stehende Finanzberater hat unheimliche Visionen, teilt davon jedoch keinem etwas mit. Schattenhafte Männer, sogar zwei Kinder warnen ihn vor etwas, nur: Gelten diese Warnungen wirklich ihm, oder ist etwa sein Zwillingsbruder Iwan gemeint. Der Kunstkenner und Ästhet, der ihm zu verwechseln ähnlich sieht? Schon nimmt das Unheil seinen Lauf!

Meine Meinung

Friedland! Fatum! Falsch! … das große „F“! Doch es steckt eindeutig mehr dahinter …

In Daniel Kehlmanns Roman lesen wir über das Schicksal dreier Brüder, die alle ein eigentümliches unechtes Scheinleben führen. Drei Männer, wie sieunterschiedlicher nicht sein könnten.
Alle drei haben den gleichen Vater: Arthur! Dieser verschwindet jedoch nach einem gemeinsamen Sommernachmittag 1984, unmittelbar nachdem die Vier die Hypnosevorstellung des großen Hypnotiseurs Lindemann besucht haben.

Martin, der Älteste und Kind aus erster Ehe, war zwar nicht zum Priester berufen, weil es ihm schlichtweg an Glauben fehlt, hat sich aber dennoch der Kirche verschrieben. Eric hat sich als erfolgreicher Vermögensberater selbst zu Vermögen, einer schönen Frau, einer Tochter, einer Villa und diverser Geliebter gebracht, was ihm aber gerade auf den Kopf zu fallen droht. Sein Zwilling Iwan war ein verkannter, aber großer Maler, ein Kunstkenner! Er ist der Nachlassverwalter des großen Künstlers Eulenböck.
In deren Phantasien, in den Träumen und in den von Medikamenten hervorgerufenen Halluzinationen taucht aber auch immer wieder ein seltsamer, dünner Mann auf, der eindeutig an den Teufel erinnert …
Wir begleiten unsere drei Protagonisten an ein einziger Tag im August 2008. Drei Männer im Zwist mit sich selbst, den Fälschungen ihres Lebens und dem Schicksal, das sich Stück für Stück ankündigt und ihre Leben in den Grundfesten zu erschüttern droht.

Der Roman wandelt zwischen einer surrealen Welt, in der unser Leben von Hypnotiseuren begleitet wird, einer göttlichen Welt, die leichtfüßig als Mysterium beschrieben wird und dem Schneeballsystem, das sich als weltweite Finanzkrise einen Name gemacht hatte.  „F“ strotzt vor unzähligen Zwischentönen, vor zwischenmenschlicher Ignoranz und vielen Missverständnissen.
Menschliche Tragödien, die wie im Zeitraffer retour laufen, bis nur noch ein einziges Kind übrig bleibt!

Daniel Kehlmann schafft es gekonnt diese widersprüchliche Atmosphäre über das gesamte Buch hinweg zu halten und in meinen Augen auch kontinuierlich zu steigern, sowohl inhaltlich also auch stilistisch. Sein Schreibstil ist klar und direkt, in leicht gehobener Sprache. Der Erzählton erinnert aber durchaus an eine lockere Plauderei!

Selten habe ich beim Lesen eines Romans von Daniel Kehlmann so oft geschmunzelt und wurde vom Autor dennoch wieder unglaublich rasch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt!

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