„H wie Habicht“ | Helen Mcdonald

Titel im Original:  „H for Hawk“
Autor:  Helen Macdonald
Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Kretschmer
Verlag:  Ullstein Verlag
Genre:  Roman | Autobiographie
Seitenzahl:  388
ISBN:  978-3-7934-2298-3

Schon als Kind beschloss Helen Macdonald, Falknerin zu werden. Ihr Vater unterstützte sie in dieser ungewöhnlichen Leidenschaft, er lehrte sie Geduld und Selbstvertrauen und blieb eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben. Als er stirbt, setzt sich ein Gedanke in Helens Kopf fest: Sie muss ihren eigenen Habicht abrichten.
Sie ersteht einen der beeindruckenden Vögel, ein Habichtweibchen, das sie auf den Namen Mabel tauft, und begibt sich auf die abenteuerliche Reise, das wilde Tier zu zähmen.

Meine Meinung

„H wie Habicht“ ist eine wunderbare Geschichte mit autobiographischem Hintergrund, die seinen Leser in die Welt der Falknerei entführt!
Um den plötzlichen Tod ihres geliebten Vaters zu verarbeiten, nimmt die Autorin Helen Mcdonald einen jungen Habicht bei sich auf. Durch ihren Vater lernte sie die Greifvögel zu verstehen und zu lieben und sein plötzlicher Tod zieht Helen nun rasend schnell den Boden unter den Füßen weg. Sie droht den Halt zu verlieren!
Sie tauft das junge Habicht-Weibchen auf den Namen „Mabel“. Wir begleiten ihre Aufzucht und das nervenaufreibende Training, das der Autorin in dieser schwierigen Zeit eine große Stütze bietet. Für Helen ist „Mabel“ genau der richtige Weg aus ihrer Trauer: Je zahmer der Habicht wird, desto mehr nimmt Helen wieder an der realen Welt teil. Sie gibt ihr einen Lebenssinn, ist aber dennoch kein Heilversprechen. Sie ist auch kein Beziehungsersatz, sondern eher eine Überlebensstrategie!

Helen Mcdonald bedient sich in diesem Roman einer sehr schwankenden Sprache. Sie wechselt immer wieder zwischen einer sachlichen und klaren Ausdrucksweise um den Leser ihre Leidenschaft und ihr Wissen zu vermitteln, verliert sich dann aber auch immer wieder in verträumte und bildlich ausgeschmückte Erzählungen. Ein Erzählstil der mir sehr gut gefallen hat.

Eine Beziehung zu einem so ursprünglichen Tier wie einem Habicht aufzubauen, ist ein zeitloses Unterfangen. Die Arbeit mit Mabel wird so detailliert und genau beschrieben, das man als Leser meinen könnte, der Habicht sitzt bei einem im Zimmer. Wir begleiten Helen bei ihrem Training und fiebern mit, wenn sie Mabel das erste Mal frei fliegen lässt. Viele Szenen sind gewollt roh beschrieben und für den unerfahrenen Leser sicher befremdlich, für mich wirkten sie aber gleichzeitig erstaunlich nah!
Ganz besonders gut beschrieben, fand ich die Szenen, in denen Helen Mcdonald die majestätische Schönheit ihres Habichts einfängt. Man spürt beim Lesen, wie das Tier ein Opfer fixiert. Wenn „Mabel“ alle Nerven angespannt, bis endlich der erlösende Sturzflug einsetzt. Alle Geräusche des Alltags treten zurück und außer der Beute ist alles unwichtig …

Neben der eigentlichen Geschichte erfahren wir von Helen Mcdonald auch viele Einzelheiten über den Autor T. H. White, der unter Anderem „Das Schwert in Stein“ (1938) und „Der König auf Camelot“ (1958) geschrieben hat. Seine Bücher begleiteten Helen durch ihre Kindheit. In seinem Buch „Goshawk“ (1951) lesen wir über seinen Versuch, ebenfalls einen Habicht abzurichten, was ihm aber kläglich misslingt. Der Autor ist innerlich zu kaputt, um es richtig zu machen und der Habicht „Gos“ entkommt. Die Autorin zieht immer wieder Beispiele von T. H. White heran und versucht aufzuzeigen, warum seine Methode zum Scheitern verurteilt war und wie sie es bei „Mabel“ besser machen möchte.

Helen Macdonald lernt in diesem Buch, was „L wie Leben“ bedeutet und lernt, dass in ihren Wurzeln auch die Fähigkeiten zur Freiheit und zum Loslassen verankert sind!

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