„Honigtot“ | Hanni Münzer

Autor:  Hanni Münzer
Verlag:  Piper Verlag
Genre:  Zeitgeschichtlicher Roman
Honigtot-Saga, Band 1
Seitenzahl:  470
ISBN:  978-3-492-30725-3

Wie weit geht eine Mutter, um ihre Kinder zu retten?
Wie weit geht eine Tochter, um ihren Vater zu rächen?
Wie kann eine tiefe, alles verzehrende Liebe die Generationen überdauern und alte Wunden heilen?

Meine Meinung

Hanni Münzers Historischer Roman „Honigtot“ führt uns ins Jahre 1920. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zunächst die gefeierte Sängerin Elisabeth Malpran und ihr Mann Gustav, ein jüdischer Arzt, der seine weitaus jüngere Ehefrau vergöttert. Ihr Glück ist perfekt, als ihre Tochter Deborah und der kleine Wolfgang geboren werden. Im Zuge ihrer Engagements begegnet Elisabeth dem jungen, aufstrebenden Adolf Hitler, der von der Münchner Gesellschaft gefördert wird, zwar immer wieder, doch vermögen weder sie noch ihr Mann seinen Idealen etwas abzugewinnen. Als sie erkennen, dass sich Deutschland im Würgegriff der Nationalsozialisten befindet, planen die Eheleute sich ins Ausland abzusetzen. Doch als ihr Aufbruch nach England unmittelbar bevorsteht, verschwindet Gustav spurlos …

Elisabeth versucht verzweifelt, näheres über das Verschwinden ihres Mannes herauszufinden. In Berlin begegnet sie dabei Obersturmbandführer Albrecht Brunnmann, in den sie sich schließlich auch verliebt. Er bietet ihr Stärke in einer Zeit, in der alles um sie herum ins Wanken gerät. Nach Elisabeths frühem Tod übernimmt Deborah die tragende Rolle in der Familie und somit auch im Leben ihres Stiefvaters. Schnell lässt sich die junge Frau vom Luxus und ausschweifenden Leben blenden. Deborah, die als sanftes Mädchen galt, erweist sich schon bald als eine Frau mit intensiven Gefühlen, die auch bereit ist, mit allen Mitteln zu kämpfen!

„Honigtot“ war mein erstes Buch von Hanni Münzer. Ein Buch mit viel Potential, in dem die Autorin eindrücklich beschreibt, wie sich die gehobene Gesellschaft zielgerade auf einen Alltag voller Angst und Misstrauen zubewegt. Sie zeigt, wie Menschen ihre Freunde nur ihrer Religion wegen plötzlich nicht mehr kennen und auch mit welcher unwürdigen Art Menschenverachtung in der Gesellschaft legitimiert wird.
Leider kommt die Gestaltung der Figuren dabei viel zu kurz. In vielen Szenen wirken sie zu übertrieben auf mich. Gerade die weiblichen Charaktere, die für die Geschichte am wichtigsten sind, verlieren da oft an Glaubwürdigkeit. So entwickelt Elisabeth plötzlich unerwartete Stärke und zeigt große Durchsetzungskraft, um nur 100 Seiten später wieder in alte Muster zurückzufallen und vertraut sich einem Mann an, der alle Werte, an die sie und auch ihr Ehemann geglaubt haben, mit Füssen tritt. Auch Deborahs Entwicklung nimmt unglaubliche Züge an.

Nichtsdestotrotz hat mir die Geschichte unheimlich gut gefallen. Hanni Münzer schafft es, viele bekannte historische Figuren in ihren Roman einzubauen und ein schwieriges geschichtliches Konstrukt aufrecht zu halten. Da verzeiht man ihr auch schonmal „kleinere“ Schnitzer, wie die unerwartete Heilung einer Querschnittslähmung oder dem sehr saloppen Umgang mit den vertraulichen Protokollen der Wannseekonferenz.

Hanni Münzer legt uns einen Roman vor, mit dem man sich einfach auseinandersetzen muss. Dass sie dabei einige moderne Aspekte beimischt, nimmt der Geschichte aber nicht ihren Flair!

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