„Idaho“ | Emily Ruskovich

Rezensionsexemplar
Vielen Dank an den Verlag!

Titel im Original:  „Idaho“
Autor:  Emily Ruskovich
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Stephanie Jacobs
Verlag:  Diana Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  413
ISBN:  978-3-453-36043-3

Ein flirrend heißer Sommertag in Idaho, USA: Eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Eine Tochter ist tot, die zweite flieht in den Wald und verschwindet spurlos. Ist es Gnade, dass der Vater Jahre später langsam sein Gedächtnis verliert?
Während Wade immer mehr vergisst, erkundet seine zweite Frau Ann tiefer und tiefer die Tragödie jenes heißen Augusttages und nimmt schließlich Kontakt mit Wades Exfrau im Gefängnis auf.

Meine Meinung

„Idaho“ von Emily Ruskovich thematisiert ein unfassbares Familiendrama zwischen 1973 und 2025 im idyllischen Idaho.
Jenny und Wade sind bereits seit elf Jahren ein Paar, als sie beschließen in den gebirgigen Bundesstaat zu ziehen. Sie genießen die bewaldete, unberührte Natur und die absolute Stille auf dem Mount Iris. Dort kommt auch ihre erste Tochter June zur Welt und wenige Jahre später ihr Nesthäkchen May. An einem warmen Frühlingstag des Jahres 1995 passiert dann das Unfassbare:  Jenny hat plötzlich ein Beil in der Hand und nichts ist mehr, wie es war …

Anders als vermutet, geht es in „Idaho“ aber nicht um die Straftat an sich oder dem Umgang der Angehörigen mit dem Verlust der Kinder. Die Tat bildet viel mehr den Rahmen für viele miteinander verknüpfte Beziehungen. Oft mutet das Erzählte auch sehr poetisch an, was nicht zuletzt an der malerischen Umgebung liegt.
Eine genaue psychologische Aufarbeitung des Geschehenen bleibt jedoch aus. Anfangs natürlich etwas befremdlich! Ich muss aber ehrlich gestehen, dass diese Erzählweise genau richtig gewählt wurde.

Die Hütte, in der Wade zuerst mit Jenny und später mit seiner zweiten Frau Ann lebt, liegt acht Meilen vom nächsten Ort entfernt. Am zweithöchsten Punkt des Mount Iris ohne befestigter Straßen oder gar Siedlungen. Eine Landschaft, die wirklich detailliert und mit wunderschönen Worten von Emily Ruskovich beschrieben wurde. Eine Umgebung, die Ruhe und Entspannung verspricht, die während des Lesens aber auch ihre radikale Einsamkeit vermittelt. Für mich war es diesmal ungewohnt schwer, sich diese Lebensbedingungen in der heutigen Zeit vorzustellen.

Das Drama um seine Familie lässt Wade über Jahre nicht los, auch wenn er, durch eine vererbte Frühdemenz, immer mehr vergisst. Ann hilft ihm während seiner Krankheit wo sie nur kann und ist entschlossen, dem Unglück auf die Spur zu kommen.
Obwohl die Zeitspanne mehr als fünfzig Jahre umfasst, wirkt die Geschichte in keinem Fall langatmig. Ganz im Gegenteil! Emily Ruskovich schreibt so einfühlsam und emphatisch, dass ihr ganz eigener Stil trotz wechselnder Perspektiven immer erkennbar bleibt. Die vielen Nebenschauplätze intensivieren den Spannungsbogen und lassen den Leser weitere Charaktere und deren Schicksale kennen lernen.

Die Autorin vereint große Liebe und tiefe Schuld mit der unfassbaren Schönheit der Natur, die sie sprachlich so authentisch schildert, dass man sich direkt an die Orte des Geschehens versetzt fühlt.

Ein wunderschön geschriebener Roman, der trotz einer grausamen Tat versöhnlich scheint!

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