„Konklave“ | Robert Harris

Titel im Original: „Conclave“
Autor: Robert Harris
Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Müller
Verlag: Heyne
Genre: Roman
Seitenzahl:  349
ISBN: 978-3-453-27072-5

Der Papst ist tot. Er war alt, aber die Todesumstände sind mysteriös. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner …
Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten des Sixtinischen Kapelle hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstobene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror? Oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen?

Meine Meinung

Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, dass es heutzutage noch Orte wie den Vatikan gibt, die über Jahrhunderte ihre Geheimnisse bewahren und deren Mythen allen Krisen und Anfechtungen zum Trotz überlebt haben. Selbst die „unbegrenzten“ Möglichkeiten des World Wide Web schaffen es nicht, hinter die geheimen Abläufe der christlichen Kirche zu schauen. Sie kratzen allerhöchstens an der Oberfläche!

Als Konklave bezeichnet man die Wahl eines neuen Papstes. Dafür kommen die Bischöfe aus aller Welt zu einem streng durchstrukturierten Wahlregiem zusammen, das seit jeher auf die Außenwelt ebenso geheimnisvoll wie faszinierend wirkt. Daher ist es ein ganz besonders Wagnis von Robert Harris, unsere voyeuristischen Sehnsüchte anzufachen und uns Glauben zu lassen, wir könnten Dank ihm hinter die Geheimnisse dieses strengbehüteten Geheimnisses schauen.

Auch wenn der Klappentext zwischen den Zeilen etwas anderes suggeriert, in „Konklave“ gibt es keinen Mord im Vatikan. Und auch die Intrigen halten sich in Grenzen. Es wird unheimlich viel gebetet, was das Thema des Buches ja schon klarmacht, dennoch musste ich mich öfters fragen, ob Kardinäle im realen Leben wirklich so bigott und fromm sind, wie man sie uns hier verkaufen möchte. Irgendwann habe ich über die Predigten und Gebete einfach drüber gelesen.
Dennoch schafft es der Autor, den Leser von Beginn an in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Auch wenn das Buch sehr ruhig erzählt und von den Abläufen der Handlung nur sehr einfach gestrickt ist. In meinen Augen ein schwieriges Unterfangen, da die Abläufe einer Papstwahl alles andere als spektakulär sind. Nichts desto trotz schwanken wir mehr als einmal zwischen göttlichen Höhen und teuflischen Abgründen!

Robert Harris ist keiner, der den Vorschlaghammer auspackt, wenn er auf Probleme und Missstände in der christlichen Gemeinschaft und ihrer Würdenträger hinweist. Vielmehr gelingt es ihm, den Protagonisten so viel Tiefe und Schärfe, aber auch Stärken und Schwächen einzuverleiben, dass man als Leser Position beziehen kann: Einerseits zustimmend, andererseits ablehnend, aber immer frei von Verachtung oder Häme!

Auch das Ende der Geschichte konnte mich voll und ganz von sich überzeugen. In großen Teilen war es durchaus vorhersehbar und dennoch konnten die Wendungen auf den letzten Seiten doch überraschen.

„Konklave“ ist auf jeden Fall eine tolle Unterhaltung, zumal das Buch in keiner Phase seines Bestehens mehr sein möchte, als es wirklich ist!

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