„Kosmetik des Bösen“ | Amélie Nothomb

Titel im Original:  „Cosmétique de l`ennemi“
Autor:  Amélie Nothomb
Aus dem Französischen übersetzt von Brigitte Große
Verlag:  Diogenes Verlag
Genre:  Kurzroman Jérôme Angust.
Seitenzahl:  107
ISBN:  978-3-257-06393-8

Wenn das Böse so fein hergerichtet ist, dass es für niemanden mehr als solches erkenntlich ist, sondern gepflegt und anständig daherkommt, dann erst wird es richtig gefährlich.

Meine Meinung

Amélie Nothomb ist für mich die Königin der menschlichen Abgründe! Dieser kleine, aber bitterböse und zugleich witzige Roman hat eine unheimliche Sogwirkung. Er zieht den Leser sofort in seinen Bann und lässt ihn nicht mehr los.
Leider ist die Geschichte nur 107 Seiten lang, aber man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen und sich die großartigen Dialoge genüsslich auf der Zunge zergehen lassen.

Stell dir vor, du sitzt am Flughafen. Dein Flieger verspätet sich. Da es sich bei dir um eine Geschäftsreise handelt, ist das an sich ja schon ärgerlich genug, aber gerade als du dich in dein Buch vertiefen möchtest, setzt sich ein Fremder neben dich. Ohne zu fragen, spricht er dich an und hört mit dem Reden gar nicht mehr auf! Du versuchst dich ihm zu entziehen, stehst auf und wechselst den Platz. Doch er folgt dir. Da du ihn so nicht abwimmeln kannst, versuchst du es mit Ignoranz, doch die Stimme des Fremden dringt unaufhörlich an dein Ohr und plötzlich fängt er an von Dingen zu reden, die umso ungeheuerlicher werden, je länger er spricht …
So und nicht anders ergeht es Jérôme Angust. Eigentlich will er nur seine Ruhe, doch der Fremde, der sich ihm als Textor Texel vorstellt, kennt keine Gnade! Und hört man dem Fremden etwas genauer zu, wird schnell klar, dass er nicht nur ein abstoßender Zeitgenosse ist, sondern dass eine gewisse Taktik hinter seinem Gerede steckt!

Frei nach Freud liefert uns Amélie Nothomb mit „Kosmetik des Bösen“ einen herrlich düsteren Roman. Auch in diesem Buch spielt sie mit den menschlichen Abgründen und mischt noch eine große Portion Philosophie dazu. Unter der berühmten Phrase „Wo das „Ich“ ist, ist das „Es“ nicht weit“ beschreibt die Autorin einen mentalen Konflikt. Die Konversation mit dem „inneren Feind“!
Der Roman ist nahezu ausschließlich in Dialogform gehalten und behandelt Themen wie Liebe, Schuld und Moral auf einer mehr als eindimensionalen Ebene.

Amélie Nothomb schreibt zwar auf einem hohen, aber verständlichen Niveau. Dennoch ist die Erzählstimme lebendig und voller rabenschwarzem Humor und Sarkasmus. Viele Szenen wirken auf den ersten Blick zwar etwas übertrieben, passen aber perfekt zu der Handlung und machen die Geschichte für mich erst so richtig rund! Sie überrascht mich immer wieder mit ihren teilweise haarsträubenden, aber doch fantastischen Wendungen!

„Kosmetik des Bösen“ besticht mit interessante Themen, wahnwitzige Theorien und eine fast schon an Kriminalromane erinnernde Rahmenhandlung! Wunderbar!

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