„Kuss“ | Simone Meier

Autor:  Simone Meier
Verlag:  Kein & Aber Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  252
ISBN:  978-3-0369-5794-4

Was dem jungen Paar in seinem perfekt eingerichteten Haus widerfährt, ist nichts weniger als eine Heimsuchung: Überwunden geglaubte Rollenbilder entpuppen sich als überaus lebendig, und ungeahnte Leidenschaften brechen hervor. Eine eigenwillige Affäre nimmt ihren Lauf, und auch die Nachbarin entwickelt mit Anfang 50ig eine ganz neue Anziehungskraft.

RezensionsexemplarVielen Dank an den Verlag!

Meine Meinung

Ein Häuschen am Stadtrand wird zum Zentrum überreizter Gedankengänge!
Simone Meiers neuester Roman „Kuss“ behandelt die Möglichkeit, über das Begehren hinaus zu lieben. Paare, die zwar von der Untreue fantasieren, aber sie nur selten wagen …

Gerda und Yann sind beide in den Dreißigern und haben frisch ein heruntergewirtschaftetes altes Haus bezogen. Gerda, die vor einiger Zeit arbeitslos geworden ist, könnte zwar spielend einen neuen Job finden, lügt sich aber damit selbst in die Tasche, dass sie sich voll und ganz auf die Renovierung des Hauses konzentrieren muss. Dabei hindert sie ihren Partner geschickt daran, zwei Fragen zu stellen, die ihm eigentlich schon lange unter den Nägeln brennen: Wann wird Gerda wieder arbeiten? … und wann werden sie eine Familie gründen? Stattdessen flüchtet sie sich in eine imaginäre Affäre, die sich zwar zunächst nur wie ein Spiel anfühlt, doch schon bald verzehrt sie sich mit aller Macht. Auch Yann zeigt sich alles andere als sicher, als er ein rätselhaftes Mädchen voller anspruchsvoller Forderungen kennenlernt …

Auch die zunächst lange unsichtbar bleibende, dann aber mit aller Kraft im Roman agierende Nachbarin Valerie konnte mich sehr von sich überzeugen. Die in die Jahre gekommene Journalistin sieht sich nach einer folgenreichen Nacht plötzlich mit der Frage konfrontiert, ob das Leben auch für sie noch einmal einen neuen Anfang bereit hält!

Obwohl „Kuss“ durchaus sehr unterhaltsam geschrieben ist, bietet der Roman einen sehr verstörenden Blickwinkel auf die Beziehungsunfähigkeit unserer Generation. Er beschreibt die Leere, die entsteht, wenn das Prickeln und die Schmetterlinge der ersten Monate und Jahre durch das stetig voranschreitende Alltagsleben abgelöst werden. Wenn diese Langeweile Menschen dazu treibt, ihr Seelenheil und Glück durch Fantasien neu anzufachen. Aber was geschieht, wenn sich dadurch etwas in Gang setzt, über das sie schon bald die Kontrolle verlieren?

Simone Meiers Figuren sind ausdrucksstark gezeichnet. Sie könnten genauso gut aus den Büchern von Arthur Schnitzler entsprungen sein, nur das unsere Protagonisten bereits im 21. Jahrhundert angekommen sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass es – bei aller Überzeichnung in diesem Roman – in unserer Gegenwart sehr viele Menschen gibt, die mit ihren Beziehungen und ihrer Lebensplanungen nicht zurechtkommen. Die in eben dieser Spirale festsitzen!

„Kuss“ ist eine rasante Geschichte über Irrungen und Wirrungen im Kopf und im Herzen.
Eine gute Mischung aus amüsantem Gesellschafts- und abgründigem Liebesroman, in dem aber auch die Literatur selbst eine wichtige Rolle spielt!

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