„Menschenwerk“ | Han Kang

Titel im Original: „Sonyeoni onda“
Autor: Han Kang
Aus dem Koreanischen übersetzt von Ki-Hyang Lee
Verlag: Aufbau Verlag
Genre: Roman
Seitenzahl:  214
ISBN: 978-3-351-03683-6

„Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, welche Antworten können Sie mir geben?“

Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert?

Meine Meinung

Nachdem ich „Die Vegetarierin“ so grandios fand, musste ich sofort mit „Menschenwerk“ weitermachen. Mich auf dieses Buch einzulassen war alles andere als leicht, da es sich hier um einen Tatsachenbericht handelt. Genau so ist es wirklich passiert!

Im Mai 1980 fanden in Gwangju anfangs friedliche Demonstrationen von Studenten gegen die damals herrschende Militärdiktatur statt. Das Militär reagierte mit äußerst brutaler Gewalt, worauf es zu weiteren Aufständen der Bevölkerung kam. Auch diese wurden ohne Rücksicht auf Menschenleben niedergeschlagen. Die Soldaten benutzten Bajonette und feuerten wahllos in Menschenmengen, woraufhin sich die Aufständischen ebenfalls bewaffneten.
Das Militär sprach damals offiziell von 170 Todesopfern und 730 Verhaftungen, während eine 1988 herausgegebene Broschüre des Hilfswerk Terre des Hommes von über 2.000 Todesopfern ausgeht, was auch andere Quellen bestätigen.

Han Kang wurde in Gwangju geboren, ihre Eltern zogen jedoch im Jahr der Aufstände nach Seoul. Dennoch verspürte sie stets eine innere Verbundenheit mit dem Geschehenen und besuchte mit 19 Jahren das Grab eines Jungen, der als 15-Jähriger während der Massaker getötet wurde und vorher mit seinen Eltern in dem Haus lebte, in dem sie selber bis zu ihrem achten Lebensjahr gewohnt hatte. Dieser Junge ist auch ein zentraler Charakter in „Menschenwerk“!

Trotz der Schwere des Themas hat dieses Buch eine gewisse Leichtigkeit. Die Autorin spielt nicht mit Worten, sie nutzt sie ganz unkompliziert um den Leser in die Geschichte zu ziehen. Die einzelnen Kapitel sind kurz und mit dem Namen des Erzählers und der Jahreszahl markiert, so weist es einem den Weg durch die Zeit. Beeindruckend schonungslos und schonungslos beeindruckend.

Han Kang schildert die Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln, die auch stilistisch ihre kleinen Eigenheiten aufweisen. Teilweise folgen wir den Erzählern in der „Du-Form“, teilweise in der klassischeren „Sie-Form“. Auch bei den seelische und körperliche Foltermethoden nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund.

Die Geschehnisse sind von Beginn an fesselnd, wenn auch schrecklich bedrückend und traurig.
Als Leser sollte man sich darauf einstellen, dass die Autorin das Thema schonungslos aufarbeitet!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code