„Mr. Chartwell“ | Rebecca Hunt

Titel im Original:  „Mr. Chartwell“
Autor:  Rebecca Hunt
Aus dem Englischen übersetzt von Hans-Ulrich Möhring
Verlag:  Luchterhand Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  254
ISBN:  978-3-630-87347-3

Manchmal erlebt man merkwürdige Überraschungen. So geht es auch – wir schrieben das Jahr 1964 – der jungen und oft recht einsamen Bibliothekarin Esther Hammerhans, als sie einen Untermieter sucht. Denn als der erste Interessent bei ihr klingelt, glaubt sie ihren Augen kaum zu trauen: Vor ihrer Tür steht ein riesiger schwarzer Hund, der sich als Mr. Chartwell vorstellt.
Obwohl Esther fest entschlossen ist, den unheimlichen Besucher unverzüglich loszuwerden, nimmt sie ihn zu ihrer eigenen Überraschung doch bei sich auf …

Meine Meinung

Was dieses Buch betrifft, habe ich eher eine Geschichte erwartet, die in Richtung des „unterhaltsamen Romans“ geht. Was auch eigentlich der Grund dafür war, das ich ewig nicht dazu gegriffen habe. Blöde Sache, denn beim Lesen merkt man doch recht schnell, dass man hier ein viel tiefgründigeres und emotionaleres Buch in Händen hält …

Esther Hammerhans möchte ein Zimmer untervermieten. Es klingelt an der Tür und als sie nichts Böses ahnend öffnet, steht ein kolossaler schwarzer Hund vor ihr und spricht sie an. Dieser absurde Beginn, der an eine Halluzination erinnert, hat eine unglaublich anziehende  Wirkung und es gibt wohl keine Leser, der nicht wissen möchte, woher dieser mysteriöse Mr. Chartwell kommt, weshalb er sprechen kann und sich für ein freies Zimmer interessiert …

Die Handlung spielt im Jahre 1964 und die alleinstehende Bibliothekarin wird von „Black Pat“ regelrecht überrollt. Er nistet sich in ihrem Leben ein, genauso wie er es bereits seit Jahrzehnten bei Winston Churchill tut. Der Hund kommt und geht wann und wie es ihm passt. Wortgewandt und dominant, aber zeitweise auch sarkastisch zehrt er an ihrer Lebenskraft und zieht sie in einen dunklen Strudel. Nur mit Mark Corkbowl, den neuen Mitarbeiter an Esthers Arbeitsplatz hat er nicht gerechnet. Mit ihm tritt unverhofft ein neuer Mann in ihr Leben …

Man merkt beim Lesen schon recht schnell, das der hünenhafte schwarze Hund, als Metapher für die Depression steht, die gerade ins Leben unserer Protagonistin Einzug hält.
„Der schwarze Hund“, so hat Sir Winston Churchill die Depressionen genannt, unter denen er sein Leben lang gelitten hat. Und Mr. Chartwell ist niemand anderes, als jener düstere und verführerische Eindringling, der mit Vorliebe Churchills Seele verdunkelt und der nun droht, auch das Leben von Esther Hammerhans zu überschatten.

Die Erzählung ist wunderbar einfach gehalten. Eingängig, ohne mit dem erhobenen Finger zu belehren. Zudem wird die Geschichte durch den lockeren und leichten Schreibstil unterstützt. Auch wenn es herrlich skurril erscheint, dass man Besuch von einem großen Hund bekommt, liest sich der gesamte Roman einfach nur plausibel. In meinen Augen britische Erzählkunst vom Feinsten, die auch ganz wunderbar ohne schwarzen Humor funktioniert!

Rebecca Hunt zeigt auf leicht verdauliche Art und Weise, dass Jeder von dieser Krankheit betroffen sein kann. Von der stillen Bibliothekarin bis hin zu einem der bedeutendsten Männer unserer Zeitgeschichte!

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