„Nach einer wahren Geschichte“ | Delphine de Vigan

Titel im Original:  „D`après une istoire vraie“
Autor:  Delphine de Vigan
Aus dem Französischen übersetzt von Doris Heinemann
Verlag:  Dumont Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  348
ISBN:  978-3-8321-9830-5

Als Delphine de Vigan die elegante L. kennenlernt, fühlt sie sich verstanden wie selten zuvor – bis ein Streit über ihren neuen Roman die scheu Erfolgsautorin in eine Krise stürzt. Bald übernimmt L. alle Aufgaben in Delphines Namen. Keiner weiß davon, und keiner
kennt L. …

Meine Meinung

Die Schriftstellerin Delphine fühlt sich nach dem einschlagenden Erfolg ihre Romans „Das Lächeln meiner Mutter“ vollkommen ausgelaugt und innerlich sprachlos. Während sie noch darüber nachdenkt, was sie als nächstes schreiben soll, reist ihr Lebensgefährte Francois beruflich in die USA, um Interviews zu führen und ihre Zwillinge Louise und Paul ziehen von Zuhause aus, um zu studieren. So hat Delphine schon bald eine große Wohnung für sich allein und viel Zeit zum Nachdenken. Ein gefährliches Vakuum, das L. bestens zu füllen weiß!
Delphine lernt L. auf einer Party kennen. Die beiden teilen sich ein Taxi und schon bald halten sie regen Kontakt zueinander. Die Freundschaft wird enger, persönlicher und entwickelt eine eigene, sehr einnehmende Dynamik. Vor allem Delphine öffnet L. ihr Innerstes, während sie selbst nur sehr wenig über sich preisgibt.
Trotz dieser neuen, großartigen Freundschaft will Delphine das Schreiben nicht wieder gelingen. Könnte L.s dominante Vereinnahmung einer der Gründe für ihre Schaffenskrise sein?

Im Grunde genommen ist „Nach einer wahren Geschichte“ von Delphine de Vigan eine Art Psychothriller mit vielen sensiblen, intelligenten und geistreichen Momenten. Der Roman spielt mit den realen Momenten einer Freundschaft und deren fiktiven Elementen. Und ich weiß bis heute nicht, ob ich beim Lesen tatsächlich jedes Mal den Unterschied erkennen konnte …

Delphine de Vigan schreibt in einer eher reduzierten aber überaus klaren Sprache. Dabei bedient sie sich eines samtweichen Schreibstils, der mir sehr gut gefiel. Trotz der nervenaufreibenden Geschehnisse, konnte man unterschwellig doch viel Sensibilität und Präzision erkennen, mit der die Geschichte dem Leser näher gebracht wird.

Schon zu Beginn war mir die skurrile Freundschaft der beiden Frauen suspekt. Wer steckt wirklich hinter dieser mysteriösen „L.“?  Im Französischen übrigens gesprochen wie „elle“, also ein unkonkretes „Sie“. Eine erste Fährte, ist der Verdacht auf einen Identitätsdiebstahl oder viel mehr dem Tauschen der beiden Identitäten. Eine Weitere wären L.s berufliche Absichten: Als Ghostwriterin nistet sie sich bei berühmten Personen ein, um deren Biographien zu schreiben. Genau so geht sie auch bei Delphine von. Hier wird der Leser ganz geschickt auf eine vollkommen falsche Fährte gelockt. Am Ende laufen die Leben der beiden Frauen auf dramatische Art und Weise zu einem verschlungenen Ganzen zusammen. Ich musste mehrmals zurückblättern, um einzelne Szenen erneut zu lesen, um diese richtig verstehen zu können.

Am Ende des Romans legt L. in Delphines Namen ein Manuskript bei ihrem Verlag vor. Eben dieses Buch, das wir hier in unseren Händen halten. Eine Biographie von Delphine de Vigan und ihrem Leben mit L.!

Ein introvertiertes Buch, das mit der Fiktion und der Wirklichkeit spielt.
Was ist real? Was nur erdacht? … man weiß es bis zum Schluss nicht!

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