„Niemals ohne sie“ | Jocelyne Saucier

Titel im Original:  „Les héritiers de la mine“
Autor:  Jocelyne Saucier
Aus dem Französischen übersetzt von Sonja Finck und Frank Weigand
Verlag:  Insel Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  254
ISBN:  978-3-458-17800-2

An den Cardinals ist nichts gewöhnlich. Die 21 Kinder der Familie haben den Schneid und die Wildheit von Helden und Angst vor nichts und niemanden. Als der Vater in einem kanadischen Dorf Zink entdeckt und um den Gewinn geprellt wird, schmieden die Kinder einen Plan, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird.

RezensionsexemplarVielen Dank an den Verlag!

Meine Meinung

Ein Kongress, der dem Vater die Auszeichnung „Erzsucher des Jahres“ verleihen möchte, führt die Familienmitglieder der Cardinals nach Jahren wieder alle zusammen. In den 60ern lebten sie in einem kanadischen Dorf und versuchten – mehr recht als schlecht – mit 21 Kindern über die Runden zu kommen. „Die Könige von Norco“ wurden sie einst genannt, bis das Schicksal sich wendete …

Wer einmal den Schreibstil und den daraus resultierenden Zauber einer Geschichte von Jocelyne Saucier erleben durfte, wird auch meine Begeisterung über ihren neuen Roman verstehen können. Nur selten kommt man als Leser in den Genuss einer Autorin,  die es versteht auf wenigen Seiten so viel Inhalt und Geschichte zu erzählen. Schlicht und kompakt fasst sie die komplizierten Tatsachen zusammen. Mit ihrem wortgewaltigen und dennoch so feinfühligen Schreibstil, entsteht eine Geschichte, die den Leser im tiefsten Innern bewegt und zum Nachdenken bringt.
Der kraftvolle Ausdruck liegt hier wirklich in der Ruhe!

„Niemals ohne sie“ wird uns aus der Sicht von Sechs der Kindern erzählt, die uns die Geschehnisse teilweise verklärend, teilweise wütend, oft aber auch einfach nur sanftmütig näher bringen. Die Autorin besitzt eine überwältigende Sprache. Plastisch und bildhalft lässt sie die Verhältnisse vor unseren eigenen Augen entstehen und von Anfang an spürt man ein Geheimnis um den Tod von Angéle, der Zwillingsschwester von Thommy, die ihr sehr nahe stand.

Die Kinder der Cardinals wachsen wild, vernachlässigt und sich größtenteils selbst überlassen, mit wenig Erziehung auf. Sie genießen große Freiheit und wenig Regeln außer denen, die sich durch eine solch große Gruppe selbst ergeben, in der es andauernd zu Machtkämpfen und Schlägereien kommt. Schließlich ziehen sie durch das Bergbaustädtchen Norco, das seine Existenz allein eier ergiebigen Erzmine und dem Bergbauunternehmen Northern Consolidated verdankt und tyrannisieren die Nachbarn, deren Haustiere und die anderen Schulkinder.

Auch wenn es sich hier um eine Familiengeschichte handelt, ist „Niemals ohne sie“ kein Wohlfühlbuch und ich würde es auch nicht als leichte Lektüre bezeichnen. Allein aufgrund der Kinderzahl sind die Cardinals keine gewöhnliche Familie und im Großen und Ganzen für mich auch keine Sympathieträger!
Nun kommen sie alle nach Jahrzenten wieder zusammen und müssen sich dem Unglück stellen, dass sie vor so langer Zeit auseinander gerissen hat …

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