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  • „Nächstes Jahr in Havanna“ | Chanel Cleeton

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original: „Next Year in Havanna“
    Autor: Chanel Cleeton
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Stefanie Fahrner
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Roman
    Kuba-Saga, Band 1
    Seitenzahl:  460
    ISBN: 978-3-453-42278-0

    Havanna 1958: Elisa, Tochter eines Plantagenbesitzers, verkehrt in den besten Kreisen Havannas und weiß kaum etwas über die Lage des Landes. Bis sie einem Mann begegnet, der tief verstrickt ist in die politischen Umwälzungen, die ihre Zukunft für immer verändern werden.

    Miami 2017: Marisol macht sich auf den Weg nach Kuba. Sie wird zum ersten Mal das Land kennenlernen, in das ihre Großmutter zeit ihres Lebens zurückkehren wollte und in dem sie nun beigesetzt werden soll.

    Meine Meinung

    „Nächstes Jahr in Havanna“ ist ein sehr gefühlvoller, unterhaltsamer und farbenfroher Roman, der den Leser auf die südamerikanische Insel Kuba entführt.

    Es ist Marisols erster Besuch auf Kuba. Zeitlebens war Havanna ein Teil von ihr und hat sie begleitet. Auch wenn sie in Miami lebt, spürt sie ihre Wurzeln auf Schritt und Tritt!
    Während ihres Aufenthalts kommt sie bei der besten Freundin ihrer Großmutter unter, die im Gegensatz zu ihren eigenen Familie in den 50er Jahren in Havanna geblieben ist. Marisol erhofft sich von Ana mehr Informationen über ihre Großmutter zu bekommen. Diese war bis zu ihrem Tode recht verschwiegen, was ihre Jugend in Kuba anging …

    Chanel Cleetons Schreibstil ist flüssig und eindringlich, aber auch atmosphärisch dicht gehalten. Mit den wechselnden Zeitperspektiven gibt die Autorin einen sehr guten Einblick in die politische und gesellschaftliche Lage im Havanna der jeweiligen Zeit. Sowohl im vergangenen Jahrhundert, als auch in der heutigen Zeit wird Kuba vom Umbruch bestimmt. 1958 steht die Insel vor der Revolution durch Fidel Castro. Im Jahr 2017 vor in einer tiefen Rezession, nachdem sich Kuba mehr und mehr von der zentralistischen Staatswirtschaft verabschiedet. Unverändert leidet die Bevölkerung unter Versorgungsengpässen, Gewalt, Folter und Unterdrückung …

    Die Charaktere sind liebevoll und sehr lebendig gezeichnet, sie bestechen durch ihre individuellen Eigenschaften und wirken authentisch und glaubwürdig. Marisol besitzt eine gesunde Neugier, die ihr zwar ab und zu zum Verhängnis wird, ist auf der anderen Seite aber ebenso hartnäckig und einfühlsam. Ihr Gegenpart ist Luiz: Ein Mann der Tat, gebildet und vor allem politisch engagiert.
    Natürlich besteht von Anfang an eine Anziehung zwischen den beiden, dieser Part der Geschichte ist in meinen Augen aber leider etwas in die Hose gegangen. Marisol wirkt hier sehr naiv und überspitzt, hegt sie doch schon nach 36 Stunden die stärksten und emotionalsten Gefühle gegenüber Luiz und spricht schon nach wenigen Tagen von Liebe. Für einem Erwachsenenroman hätte ich mir einen realistischeren Verlauf der Liebesgeschichte gewünscht.

    „Nächstes Jahr in Havanna“ war mein erster Roman von Chanel Cleeton. Die ursprünglich aus Florida stammende Autorin wuchs mit den Geschichten über den Auszug ihrer Familie nach der kubanischen Revolution auf. Ihre Leidenschaft für Politik und Geschichte setzte sich während ihres Studiums fort. Dieser Einfluss macht sich auch in diesem Roman stark bemerkbar. Man spürt beim Lesen wie viel Herzblut sie in die Geschichte gesteckt.

    Der Roman erzählt nicht nur zwei emotionale Liebesgeschichten in verschiedenen Jahrhunderten, sondern wartet auch mit vielen interessanten Informationen über die südamerikanische Insel auf. Eine wunderbare Lektüre, die einen von Havanna träumen lässt.

  • Lesemonat Juni 2019

    Gelesene Bücher:  11 Stück  |  Abgebrochene Bücher:  0 Bücher
    Gesamtseitenzahl:  4.672 Seiten
    Ca.
    156 Seiten pro Tag

    4 weibliche Autoren4 männliche Autoren
    3 Autoren aus Deutschland
    2 Autoren aus Amerika
    1 Autor aus Österreich
    1 Autor aus Norwegen
    1 Autor aus England

    Hardcover: 7 Stück  |  Klappbroschur: 4 Stück  |  Taschenbuch:  0 Stück

    „Gott der Barbaren“
    Stephan Thome
    708 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Der dunkle Bote“
    Alex Beer
    396 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Stadt der Träumenden Bücher“
    Walter Moers
    109 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Engelskalt“
    Samuel Bjork
    539 Seiten
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    „Federgrab“
    Samuel Bjork
    478 Seiten
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    „Bitterherz“
    Samuel Bjork
    414 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Konklave“
    Robert Harris
    349 Seiten
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    „Die Gabe der Auserwählten“
    Mary E. Pearson
    348 Seiten
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    „Der Glanz der Dunkelheit“
    Mary E. Pearson
    448 Seiten
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    „Nächstes Jahr in Havanna“
    Chanel Cleeton
    460 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Archipel“
    Inger-Maria Mahlke
    423 Seiten
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  • „Der dunkle Bote“ | Alex Beer

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Alex Beer
    Verlag:  Limes Verlag
    Genre:  Kriminalroman
    3. Fall von August Emmerich
    Seitenzahl:  396
    ISBN:  978-3-8090-2703-4

    Wien im November 1920. Ein unerwarteter Kälteeinbruch hat die Ernten vernichtet, jeder dritte Mann ist arbeitslos, und das organisierte Verbrechen hat Hochkonjunktur. Doch der Mordfall, der jetzt die Stadt erschüttert, übertrifft alles bislang Dagewesene: Ein Toter wird bizarr zugerichtet und von einer Eisschicht bedeckt aufgefunden. Kurz darauf taucht ein Bekennerschreiben auf. Kriminalinspektor August Emmerich ermittelt – und das ist nicht das einzige Rätsel, das er zu lösen hat. Dennoch hat er Xaver Koch nicht aufgespürt, den Mann, der seine Lebensgefährtin entführt hat und der sich als gefährlicher Gegner entpuppt …

    Meine Meinung

    November 1920. Wien kämpft mit den Folgen des 1. Weltkrieges, der Versailler Vertrag kennt kein Pardon und die illegalen Geschäfte mit Schmuggelwaren und Valuten haben Hochkonjunktur. Kriegsheimkehrer bevölkern die Straßen und die Rattenfänger aus dem antisemitischen Lager strecken ihre Fühler nach gutgläubigen Mitbürgern aus …
    Kriminalinspektor August Emmerich und seinem Kollegen Ferdinand Winter von der Abteilung „Leib und Leben“ geht die Beschäftigung nicht aus: In Wien geschehen grausame und skurrile Morde, bei denen den männlichen Opfern die Zunge herausgeschnitten wird. Wenige Stunden später trifft ein Paket mit verhängnisvollem Inhalt in der Redaktion der „Wiener Illustrierten“ ein. Die beiden Ermittler versuchen dem Täter auf die Spur zu kommen!

    Auch in „Der dunkle Bote“ schickt uns Alex Beer wieder auf eine spannende Zeitreise. Durch die bildgewaltigen Beschreibungen der Orte und Menschen fühlt man sich als Leser sofort im Wien der damaligen Zeit angekommen. Die einst so schillernde Stadt mit all ihren klaffenden Wunden und Entbehrungen, in meinen Augen eine wirklich realistische Darstellung der 20er Jahre!

    Der Kriminalroman kommt ganz ohne grobe Gewaltdarstellungen aus, Alex Beer setzt rein auf die Ermittlungsarbeit. Ihr Schreibstil ist gewohnt leicht und mitreißend, dennoch schafft sie es die Düsternis auf den Straßen Wiens gekonnt einzufangen. Auch die historischen Details werden wieder korrekt und nachvollziehbar wiedergegeben und fügen sich nahtlos in die Geschichte ein. Dadurch hält sich der Spannungsbogen wunderbar über das ganze Buch hinweg, das letztendlich in einem unerwarteten und erschütternden Finale endet. Bis zum Schluss fiebert man mit August Emmerich und Ferdinand Winter mit und hofft das sie der „Teufel“ nicht einholt …

    Natürlich nimmt auch Emmerichs Privatleben wieder viel Platz ein. Nachdem Luise und die Kinder von Xaver Koch verschleppt wurden, fehlt von ihnen jede Spur. Emmerich setzt alle Hebel in Bewegung um seine Familie zurück zu bekommen, doch nicht nur sein Informant kommt Koch gefährlich nahe …

    Alex Beer setzt im Genre des historischen Kriminalromans mit dieser Reihe Maßstäbe, und ich bin fest davon überzeugt, dass sie dieses Niveau auch in den Nachfolgerbänden nicht nur halten kann sondern noch verbessern wird.

  • „Wenn der Sommer stirbt“ | Cheryl L. Wilson

    Titel im Original:  „The Winter King, Part 2“
    Autor:  Ceryl L. Wilson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anita Nirschl
    Verlag:  Bastei Lübbe
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Mistral-Reihe, Band 2
    Seitenzahl:  415
    ISBN:  978-3-404-20801-2

    Erst seit wenigen Wochen herrscht Frieden zwischen den Reichen Sommergrund und Winterfels, besiegelt durch die Ehe von Sommerprinzessin Chamsin und Wynter Atrialan, dem Winterkönig. Doch der Frieden währt nicht lange. Zu Beginn des Krieges hat Wynter das Eisherz, die Essenz eines dunklen Gottes, in sich aufgenommen. Und diese Magie droht nun, ihn zu verschlingen und in einen Todesgott zu verwandeln, eine Bedrohung, schlimmer als alles, dem sich Sommer- und Winterländer je gegenübersahen …

    Meine Meinung

    Nach dem „Der Winter erwacht“ mit einem so bitterbösen Cliffhanger geendet hat, startet Band 2 wieder genau der Stelle, an der wir Chamsin und Wynter zurückgelassen haben. Die Autorin stellt uns zwar ein „Was bisher geschah …“ zur Verfügung, man findet aber auch während des Lesens wieder sehr leicht in die Geschichte zurück.

    Bereits in den ersten Seiten geht die Handlung spannend und actionreich weiter …
    Chamsin gilt noch immer als unbeliebte Außenseiterin und versucht ihre Situation bestmöglich zu ihren Gunsten zu verändern. Dabei legen ihr nicht nur die stolzen und eigensinnigen Dorfbewohner Steine in den Weg, auch Wynter macht ihr unbeabsichtigt das Leben schwer.
    Habe ich im ersten Band noch die Oberflächlichkeit der Geschichte bekrittelt, erfahren wir in „Wenn der Sommer stirbt“ viele Details über die politische Situation in Winterfels, über dessen Feindschaft mit Sommergrund und über die verzwickten Intrigen am Hof, aber auch das Familienleben und die Kindheit unserer beiden Protagonisten bekommen hier Platz! Ebenso wird das mysteriöse Eisherz, das in Wynters Brust schlummert ausführlich und gut erklärt.

    Im Laufe dieses Buches entwickelt sich die Geschichte weg vom pornösen Groschenroman hin zu wirklich guter Fantasy. Schonungslos müssen Menschen ihr Leben lassen und auch das Liebespaar muss kämpfen und einige Wunden wegstecken.

    Chamsin ist eine Frau ganz nach meinem Geschmack. Sie lässt sich noch nicht einmal vom Winterkönig einschüchtern und wächst an ihrer Aufgabe als Königin. Aber auch Wynter hat etwas an sich, dass mich trotz seiner Kälte an ihn bindet.
    Besonders gut hat mir Krystis Figur gefallen. Ein Junge, der in Chamsins Diensten steht und sie bestmöglich unterstützt. Ein Charakter der von kindlicher Unschuld und gnadenloser Ehrlichkeit geprägt ist. Liebenswürdig, ein wenig aufgedreht und durch und durch loyal. Meiner Meinung nach einer der größten Helden in dieser Geschichte!
    Abgesehen von Krysti, erfährt man aber auch mehr über anderen Nebencharaktere, die zusammengenommen ein rundes Bild aus den Taten und Handlungen in dieser doch sehr vielfältigen Geschichte entstehen lassen!

  • „Der Winter erwacht“ | Cheryl L. Wilson

    Titel im Original:  „The Winter King, Part 1“
    Autor:  Ceryl L. Wilson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anita Nirschl
    Verlag:  Bastei Lübbe
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Mistral-Reihe, Band 1
    Seitenzahl:  381
    ISBN:  978-3-404-20800-5

    Die Sommerprinzessin Chamsin kann nicht glauben, was ihr Vater von ihr verlangt: Sie soll Wynter Atrialan heiraten. Den Mann, der ihre geliebte Heimat mit einem grausamen Krieg überzog. Der das Reich durch seine Magie im ewigen Winter erstarren ließ. Und der jetzt als Tribut eine Sommerprinzessin fordert. Niemals! Lieber stirbt sie, als ihn zu heiraten. Sie ahnt nicht, dass ihr Vater sie tatsächlich vor diese Wahl stellen wird …

    Meine Meinung

    In „Der Winter erwacht“ verfolgen wir die Geschichte zweier Königreiche: Winterfels, dass nördlich in den eisigen Berge liegt und Sommergrund, das den heißen Süden einnimmt! Einst lebten beiden Königreiche in Eintracht nebeneinander und waren durch den regen Handel freundschaftlich miteinander verbündet.
    Ausgelöst durch die verräterische Tat des Sommerprinzen, überzieht Wynter Atrialan, der König von Winterfels, mit seiner tödlichen Armee das Land. Mit der göttlichen Macht des Eisherzes zwingt er Sommergrund in die Knie. Als Wiedergutmachung an der Ermordung seines Bruders fordert er die Hand einer der Sommerprinzessinen. Auch König Verdan soll erfahren, wie groß der Kummer ist, wenn einem das Liebste genommen wird. Doch noch ahnt er nichts von der vierter Tochter des Königs: Chamsin! Nach einigen Intrigen und Ränkespielen verlässt sie mit Wynter ihre Heimat und muss sich als ungeliebte Königin in einem unbekannten Land dem Kampf um Akzeptanz stellen, die noch dazu über ihr Leben oder ihren Tod entscheiden!

    Ceryl L. Wilson erschafft in dieser Buchreihe eine bildgewaltige Fantasywelt, die trotz der starken Kontraste auf mich harmonisch und einladend wirkt. Dieses wird natürlich auch durch den einfachen, aber sehr flüssigen und lebendigen Schreibstil unterstützt! Ihr solltet aber nicht den hohen Gehalt an erotischen Szenen in diesem Buch unterschätzen!
    Die Geschichte ist mitreißend geschrieben, bleibt im Großen und Ganzen aber eher oberflächlich. Ich hätte gerne mehr über die politischen Intrigen erfahren und auch über die Art und Weise, wie sich die beiden Völker in ihrer Lebensart unterscheiden. Diese Details werden nur kurz angeschnitten, die Geschichte fokussiert sich gezielt auf die Beziehung zwischen unseren beiden Protagonisten!

    Leider fand ich auch die häufigen Sexszenen an manchen Stellen etwas deplatziert. Der leicht ordinäre Stil und die fehlende Scham passen allerdings perfekt in das Gesamtbild, spielt die Geschichte doch zu einer mittelalterlichen Zeit, in der Ritter und Könige frei forderten, was sie wollten …

    Das Hauptaugenmerk bleibt also auf Chamsin und Wynter! … und die Beiden sind wirklich sehr gut ausgearbeitet! Der Grund für Chamsins Zurückhaltung gegenüber des Hofadels und ihre Angst vor der eigenen Wettergabe werden schon früh im Buch erklärt, was die starke und temperamentvolle Prinzessin etwas weicher wirken lässt. Dennoch umkreist sie immer wieder ein Hauch von Naivität!
    Auch Wynter durfte die Vorzüge seiner Wettergabe kennenlernen, wenn auch nicht in natürlicher Form. Sein Eisblick ist durch und durch tödlich, was ihn zum schrecklichsten Eroberer seiner Zeit macht. Durch Chamsin erinnert er sich, wie es ist zu lieben. Doch die verzwickte Geschichte der beiden Königreiche, lässt ihn auf vorsichtige Distanz gehen.

    Ein wirklich guter Start in eine neue Reihe, gerade für Leser die die Kombination aus Fantasy und dem klassischen Groschenroman zu schätzen wissen!

  • „Gott der Barbaren“ | Stephan Thome

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor: Stephan Thome
    Verlag: Suhrkamp Verlag
    Genre: Historischer Roman
    Shortliste „Deutscher Buchpreis“ 2018
    Seitenzahl:  708
    ISBN: 978-3-518-42825-2

    Mitte des 19. Jahrhunderts überzieht eine christliche Rebellion das chinesische Kaiserreich mit Terror und Zerstörung. Ein junger deutscher Missionar, der voller Idealismus bei der Modernisierung des Landes helfen will, gerät zwischen die Fronten eines Krieges und droht alles zu verlieren, was ihm wichtig ist.

    Meine Meinung

    Heutzutage scheint China allgegenwärtig zu sein. Ein Land, das jeder kennt …
    Doch was weiß man von seiner Geschichte?

    „Gott der Barbaren“ thematisiert die Taiping-Rebellion und den Opiumkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts, die in 15 Jahren der Kampfandlungen 30 Milliarden Menschen das Leben gekostet haben.
    In den Jahren 1851 bis 1864 versuchten die Rebellen die Qing-Dynastie zu stürzen, die von den Mandschu, die allgemein als grausam und korrupt galten, begründet worden war. Die Ideologie dieser neuen Bewegung gründete sich neben Anderen zu großen Teilen auf christlichen Idealen, die der Gründer Hong Xiuquan vermutlich durch einen Missionar vermittelt bekam.

    Wir verfolgen hier vier Hauptpersonen als Ich-Erzähler. Zwei mächtige Befehlshaber, die sich auf den jeweiligen Seiten gegenüberstehen und zwei Zivilisten. Zum Einen lernen wir da den deutsche Missionar Philipp Neukamp kennen, der schon bei der deutschen Revolution 1848 aktiv war. Seine Wege kreuzen sich mit denen der Chinesin Huang Shua, die uns als einzige weibliche Erzählerin ihre Sicht näher bringt und einfach nur überleben will. Zu den Mächtigen gehört der General und Gelehrte Zeng Guofan, der Anführer einer privaten Söldnertruppe und der englische Gesandte Lord Elgin, der das englisch-französische Expeditionskorps anführt. Ein erfahrener Diplomat der britischen Krone mit starkem Überlegenheitsgefühl, der noch heute die oberen Zehntausend in England prägt.

    Obwohl das Buch geschichtlich total auf meiner Wellenlänge war, habe ich für die knapp 700 Seiten wirklich lange gebraucht. Stephan Thome hat die Geschichte nicht als Tatsachenbericht geschrieben, sondern als Roman, was nur bedingt tiefere Einblicke zulässt und das Gelesene an manchen Stellen doch etwas zu sachlich wirken lässt. Seitenlange Monologe über die chinesische Philosophie sind zwar interessant, aber gerade abends doch eher ermüdend. Dennoch habe ich das Buch sehr gern gelesen. Der Autor hat eine unheimliche Recherchearbeit geleistet und verfügt über beeindruckende Kenntnisse der chinesischen Geschichte.

    Bei seiner Veröffentlichung wurde „Gott der Barbaren“ stark im literarischen Quartett diskutiert und zudem in vielen deutschen Zeitungen besprochen. Hier schwanken die Beurteilungen doch erheblich, was ich persönlich gar nicht verstehen kann.
    Es hat mir großen Spaß gemacht, dieser tiefgründigen und feinen Geschichte zu folgen. Man versinkt in den Geschehnissen und folgt den Überlegungen. Nach und nach entsteht ein üppiges und farbenprächtiges Gemälde der damaligen Zeit mit all den historischen Ereignissen, Besonderheiten und Tücken. Ob es um die gebunden Füße der chinesischen Frauen und ihrer Stellung in der Gesellschaft geht. Oder um die Rebellen und ihr Streben nach Macht. Bei all dem ist man hautnah dabei! Opium wird reichlich konsumiert und natürlich rollen auch Köpfe …

  • „Bitterherz“ | Samuel Bjørk

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original: „Gutten som elsket radyr“
    Autor: Samuel Bjørk
    Aus dem Norwegoschen übersetzt von Gabriele Haefs
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Thriller
    3. Fall von Holger Munch & Mia Krüger
    Seitenzahl: 414
    ISBN: 978-3-442-48227-6

    Ein alter Mann fährt auf einer einsamen Straße in den norwegischen Bergen. Plötzlich taucht aus dem Dunkeln eine Gestalt auf und er schafft es gerade noch, zu bremsen. Noch unter Schock kann er nicht glauben, was er sieht: Vor ihm steht ein kleiner Junge mit einem Geweih auf dem Kopf.
    14 Jahre später wird in einem nahegelegenen Bergsee eine Leiche gefunden. Die junge Frau trägt ein Ballettkostüm und am Ufer steht eine Kamera, in deren Linse ein „4“ eingeritzt ist. Kommisar Holger Munch und seine Kollegin Mia Krüger stehen vor dem rätselhaftesten Fall ihrer Karriere …

    Meine Meinung

    Nachdem meine beiden Rezensionen am Donnerstag und am Freitag so gut bei euch angekommen sind, möchte ich euch heute auch noch den dritten und aktuellsten Band der Reihe um Holger Munch und Mia Krüger vorstellen …

    Leider sagt der Klappentext schon sehr viel über den Inhalt des Buches aus, daher möchte ich euch dahingehend gar nicht mehr erzählen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass dieser Fall der Rätselhafteste in den Karrieren unserer beiden Ermittler war, der Täter gibt ihnen aber einige perfide Rätsel auf, die erstmal zu entwirren sind. Einerseits möchte er sie ganz gezielt an der Nase herumführen, andererseits wirft er ihnen dann aber doch immer wieder kleine Hinweise zu, die sie in ihren Ermittlungen weiterbringen …

    Auch in „Bitterherz“ konnte mich Samuel Bjørk wieder von sich überzeugen. Er ist seinem auffälligen Erzählstil treu geblieben, wirkt aber um Welten gesetzter und schreibt hier deutlich tiefgründiger und spannender. Dennoch liest sich das Buch flüssig und leicht weg und konnte mich sehr schnell in den Bann ziehen! Ich würde sagen, der Autor ist endlich angekommen!

    Eine deutliche Steigerung merkt man auch am Showdown und an der Auflösung der Geschichte. Ich persönlich nehme es mir eigentlich nie zum Ziel schon vor dem Ende des Buches den Täter zu entlarven. Einfach weil es mir oft die Freude am Lesen nehmen würde, hier hat uns der Autor aber ganz gezielt bei der Aufklärung mitgenommen. Auf den Täter wäre ich zwar trotzdem nie gekommen, aber der Aha-Moment, war wirklich toll ausgearbeitet und super gut geschrieben!

    Mia Krüger hat sich in den letzten beiden Büchern ja schon ein bisschen als mein Liebling herauskristallisiert, in „Bitterherz“ bekommt ihre Wertigkeit aber nochmal einen steilen Anstieg. Nicht nur, dass sie sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, die zwar immer wieder thematisch aufgegriffen wird, in der Geschichte aber nie überhandnimmt, hat sie nach etlichen Monaten aktiver Therapie endlich den Absprung aus ihrer misslichen Lage geschafft und wirkte auf mich viel frischer, aktiver und schlagfertiger. Aber auch andere Kollegen bekommen in diesem Buch einen größeren Auftritt. Vielleicht nicht immer im positivsten Sinne, aber doch menschlich und nachvollziehbar! Ich glaube mit den Mitgliedern aus der Sonderkommission werden wir noch unsre Freude habe …

    Alles in Allem ist auch „Bitterherz“ ein sehr gelungener Thriller. Ruhig und mitreißend, mit einem ganz außergewöhnlichen Hintergrund!

  • „Federgrab“ | Samuel Bjørk

    Titel im Original:  „Uglen“
    Autor:  Samuel Bjørk
    Aus dem Norwegoschen übersetzt von Gabriele Haefs
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    2. Fall von Holger Munch & Mia Krüger
    Seitenzahl:  478
    ISBN:  978-3-442-20525-7

    Aus einem Jungendheim bei Oslo verschwindet ein 17-jähriges Mädchen. Einige Zeit später wird sie tot im Wald gefunden – gebettet auf Federn, von Lichtern umkränzt und mit einer weißen Blume zwischen den Lippen. Die Ermittlungen des Teams um Kommissar Holger Munch und seine Kollegin Mia Krüger drehen sich im Kreis, bis sie von einem mysteriösen Hacker kontaktiert werden. Er zeigt ihnen ein verstörendes Video, das neue Details über das Schicksal des Mädchens enthüllt. Und am Rande der Aufnahme ist der Mörder zu sehen, verkleidet als Eule …

    Meine Meinung

    Mit „Federgrab“ legt uns Samuel Bjørk einen Thriller vor, der unter die Haut geht!

    In einem Waldstück wird die bizarr aufgebahrte Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Nicht nur, dass ihre Körperhaltung auf einen dunklen Ritus hinweist, das abgemagerte Opfer wurde von ihrem Peiniger auch auf Eulenfedern gebettet …
    Obwohl Mia Krüger mit den Nerven am Ende und krankgeschrieben ist, holt sie Holger Munch zurück in sein Team. Gerade bei einem so verstrickten Fall, kann der Chef der Sonderkommission nicht auf den Spürsinn seiner Kollegin verzichten. Als ein Hacker den Ermittlern auch noch ein Video zuspielt, das im DarkNet kursiert, gerät selbst der erfahrenste Polizist an seine Grenzen …

    Nachdem ich den ersten Fall direkt vor dem Zweiten gelesen habe, hatte ich doch sehr hohe Erwartungen an das Buch. Und in meinen Augen schneidet Samuel Bjørk wirklich sehr gut ab! „Engelskalt“ mag vielleicht ein bisschen eingängiger gewesen sein, der Autor nähert sich in diesem Buch aber gezielt dem düsteren Genre des „Nordic-Noir“ an, was mir sehr gut gefallen hat.

    Auch hier bekommen wir wieder einen sehr ruhigen und atmosphärischen Thriller, der mit einem spannenden und mitreißen Erzählstil aufwartet. In meinen Augen, hat der Autor die zwei Jahre zwischen „Engelskalt“ und „Federgrab“ sehr gut genutzt, kann man doch eine starke Steigerung in seinem Stil erkennen. Natürlich ist dieser immer noch eigen und für manche Leser auch sicher gewöhnungsbedürftig, die Geschichte ging mir aber viel leichter und intensiver ein.
    Samuel Bjørk konstruiert Fälle, die so durchaus das Leben schreiben könnte. Atmosphärisch dicht und düster zieht er den Leser immer tiefer in die Wirren des Verbrechens …

    Das Team rund um Holger Munch ist absolut einzigartig, mit hohem Wiedererkennungswert. Sie handeln menschlich und nachvollziehbar und trotz ihrer Ecken und Kanten werden sie mir von Buch zu Buch sympathischer. In „Federgrab“ bekommen ihre Persönlichkeiten deutlich mehr Platz. Liebenswert in ihren Schwächen und beängstigend echt in ihren dunklen Stunden! Klassisch nordisch, werden diese Themen aber nicht verweichlicht, sondern sehr sachlich und klar an den Leser weitergegeben. Vor allem Holger Munch ist ein weitaus komplexerer Charakter als es im ersten Fall vermuten lässt. Mehr als einmal mangelt es ihm an der richtigen Urteilsfähigkeit  um wichtige Situationen und Menschen einschätzen zu können.

    Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Trotzdem tritt das Team auf der Stelle. Einige Spuren erweisen sich als Nieten, bis sich der Hacker, der das Video entdeckt hat, nochmal bei Mia meldet …

  • „Engelskalt“ | Samuel Bjørk

    Titel im Original:  „Det henger en engel alene i skogen“
    Autor:  Samuel Bjørk
    Aus dem Norwegoschen übersetzt von Gabriele Haefs
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    1. Fall von Holger Munch & Mia Krüger
    Seitenzahl:  539
    ISBN:  978-3-442-48225-2

    Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, aufgehängt an einem Springseil. Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird …

    Meine Meinung

    „Engelskalt“ ist der erste Fall um den Ermittler Holger Munch, der sich zu Beginn des Buches selbst als „übergewichtigen, aber sympathischen Nerd“ beschreibt. Mit einem Faible für Schach, klassische Musik und Mathematik, der zwar keinen Tropfen Alkohol anrührt, dafür aber Raucht wie ein Schlot. Sein weiblicher Gegenpart ist die junge Mia Krüger, die mit ihrem indianischem Aussehen und den norwegischen Augen alle Blicke auf sich zieht. Natürlich trägt die auffällige Narbe über ihrem rechten Auge auch noch dazu bei. Sie ist das Superhirn in Munchs Sonderkommission, deren Arbeitsweise in manchen Situationen, denen eines geselligen Sheldon Cooper gleicht.

    Als zwei junge Mädchen, hübsch zurechtgemacht, an Springseilen im Wald aufgehängt gefunden werden, ist ganz Norwegen in Aufruhr. Holger Munch, der schon seit langer Zeit nicht mehr mit einem solch brutalen Fall konfrontiert war, weckt seine Sonderkommission aus dem Dornröschenschlaf und trommelt sein Team zusammen, mit denen er schon einige brisante Fälle lösen konnte. Dazu gehört auch Mia, die seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester äußert labil ist, aber zu den besten Ermittlerinnen des Landes gehört. Das ganze Team arbeitet unter Hochdruck, denn es scheint, als sollten noch weitere Opfer folgen …

    „Engelskalt“ erzählt eine spannende Geschichte und hielt für mich einige interessante Wendungen parat. Dennoch war der Erzählstil von Samuel Bjørk sehr speziell und ich brauchte einige Zeit um in das Buch hineinzukommen. Es startet mit zahlreichen losen Handlungssträngen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Aus der Sicht des Täters selbst erfährt man nur sehr kurze Szenen, die für mich auch eher eingeworfen gewirkt haben. Vieles wird uns erst im Nachhinein von einem der Ermittler berichtet. Nach und Nach bekommen aber alle Puzzlestücke ihren Platz und die Handlung entwickelt sich zu einem runden Ganzen.

    Der Thriller ist sehr flüssig und mitreißend geschrieben. Samuel Bjørk nimmt sich viel Zeit, um dem Leser sein Team näher zu bringen. Dabei bleibt niemand blass und alle Charaktere wurden im Laufe der Geschichte für mich zugänglich und sympathisch. Besonders gut hat mir das Zusammenspiel zwischen Holger Munch und Mia Krüger gefallen, die trotz des großen Altersunterschiedes absolut auf einer Wellenlänge liegen und sich wirklich toll ergänzen.

    Ich fand es gut, dass der Autor nicht dem Trend folgt, dem Leser möglichst brutale und detailgenaue Beschreibungen der Taten entgegen zu bringen. Man erfährt natürlich im Nachhinein, dass den Mädchen Gewalt angetan wurde, ihre Leichen werden aber sauber und ohne äußerliche Einwirkungen aufgefunden, was für mich fast noch bedrohlicher wirkte. Die Gefahr ist stetig präsent und prägt dadurch auch die Atmosphäre des Buches.

    Als besonders gelungen fand ich auch die Szenen, in denen wir Mia Krügers Denkweisen folgen, die wie im Wahn einzelne Worte aus dem Fall miteinander kombiniert und erst scheinbar zusammenhanglose Details wahrnimmt, die sie dann immer weiter verfeinert.

    „Engelskalt“ ist ein hervorragend geschriebener Thriller, der zwar ein eher ruhiges Leseerlebnis bietet, aber dennoch fesselt und immer wieder aufs Neue überrascht!