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  • „Engelskalt“ | Samuel Bjørk

    Titel im Original:  „Det henger en engel alene i skogen“
    Autor:  Samuel Bjørk
    Aus dem Norwegoschen übersetzt von Gabriele Haefs
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    1. Fall von Holger Munch & Mia Krüger
    Seitenzahl:  539
    ISBN:  978-3-442-48225-2

    Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, aufgehängt an einem Springseil. Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird …

    Meine Meinung

    „Engelskalt“ ist der erste Fall um den Ermittler Holger Munch, der sich zu Beginn des Buches selbst als „übergewichtigen, aber sympathischen Nerd“ beschreibt. Mit einem Faible für Schach, klassische Musik und Mathematik, der zwar keinen Tropfen Alkohol anrührt, dafür aber Raucht wie ein Schlot. Sein weiblicher Gegenpart ist die junge Mia Krüger, die mit ihrem indianischem Aussehen und den norwegischen Augen alle Blicke auf sich zieht. Natürlich trägt die auffällige Narbe über ihrem rechten Auge auch noch dazu bei. Sie ist das Superhirn in Munchs Sonderkommission, deren Arbeitsweise in manchen Situationen, denen eines geselligen Sheldon Cooper gleicht.

    Als zwei junge Mädchen, hübsch zurechtgemacht, an Springseilen im Wald aufgehängt gefunden werden, ist ganz Norwegen in Aufruhr. Holger Munch, der schon seit langer Zeit nicht mehr mit einem solch brutalen Fall konfrontiert war, weckt seine Sonderkommission aus dem Dornröschenschlaf und trommelt sein Team zusammen, mit denen er schon einige brisante Fälle lösen konnte. Dazu gehört auch Mia, die seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester äußert labil ist, aber zu den besten Ermittlerinnen des Landes gehört. Das ganze Team arbeitet unter Hochdruck, denn es scheint, als sollten noch weitere Opfer folgen …

    „Engelskalt“ erzählt eine spannende Geschichte und hielt für mich einige interessante Wendungen parat. Dennoch war der Erzählstil von Samuel Bjørk sehr speziell und ich brauchte einige Zeit um in das Buch hineinzukommen. Es startet mit zahlreichen losen Handlungssträngen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Aus der Sicht des Täters selbst erfährt man nur sehr kurze Szenen, die für mich auch eher eingeworfen gewirkt haben. Vieles wird uns erst im Nachhinein von einem der Ermittler berichtet. Nach und Nach bekommen aber alle Puzzlestücke ihren Platz und die Handlung entwickelt sich zu einem runden Ganzen.

    Der Thriller ist sehr flüssig und mitreißend geschrieben. Samuel Bjørk nimmt sich viel Zeit, um dem Leser sein Team näher zu bringen. Dabei bleibt niemand blass und alle Charaktere wurden im Laufe der Geschichte für mich zugänglich und sympathisch. Besonders gut hat mir das Zusammenspiel zwischen Holger Munch und Mia Krüger gefallen, die trotz des großen Altersunterschiedes absolut auf einer Wellenlänge liegen und sich wirklich toll ergänzen.

    Ich fand es gut, dass der Autor nicht dem Trend folgt, dem Leser möglichst brutale und detailgenaue Beschreibungen der Taten entgegen zu bringen. Man erfährt natürlich im Nachhinein, dass den Mädchen Gewalt angetan wurde, ihre Leichen werden aber sauber und ohne äußerliche Einwirkungen aufgefunden, was für mich fast noch bedrohlicher wirkte. Die Gefahr ist stetig präsent und prägt dadurch auch die Atmosphäre des Buches.

    Als besonders gelungen fand ich auch die Szenen, in denen wir Mia Krügers Denkweisen folgen, die wie im Wahn einzelne Worte aus dem Fall miteinander kombiniert und erst scheinbar zusammenhanglose Details wahrnimmt, die sie dann immer weiter verfeinert.

    „Engelskalt“ ist ein hervorragend geschriebener Thriller, der zwar ein eher ruhiges Leseerlebnis bietet, aber dennoch fesselt und immer wieder aufs Neue überrascht!

  • „Der Glanz der Dunkelheit“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original:  „The Beauty of Darkness II“
    Autor:  Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag:  Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 4
    Seitenzahl:  448
    ISBN:  978-3-8466-0060-3

    Lia hat sich entschieden. Statt die Königin an Rafes Seite zu werden, kehrt sie nach Morrighan zurück. Sie muss ihrem Heimatland beistehen, auch wenn das bedeutet, dass sie in die Schlacht ziehen wird. Während sie einer ungewissen Zukunft entgegenreitet, quälen sie viele Fragen. Kann sie den Königreichen Morrighan, Venda und Dalbreck endlich Frieden finden? Wie soll sie im Kampf gegen den Komizar von Venda bestehen? Und wird es für sie und Rafe eine Zukunft geben?

    Meine Meinung

    Nachdem sich Lia und Rafe endgültig getrennt haben, macht sich die junge Frau nun zusammen mit Kaden auf den Weg zurück in ihre Heimat. Trotz anfänglichem Misstrauen hat er sich zu ihrem engsten Vertrauten entwickelt, der bedingungslos an ihrer Seite steht. Sowohl Dahlbreck, als auch Morrighan müssen vor dem bevorstehenden Krieg und den brutalen Machenschaften des Komizars gewarnt werden.
    Lias Ziel ist es, die Verschwörung und somit auch die Verräter an der Krone aufzudecken und die korrupten Mitglieder im Rat von Morrighan zu stürzen.

    Nachdem das Finale im letzten Band so grandios aufgebaut wurde, spitzt sich die Lage im Königreich Morrighan immer weiter zu. Freude, Liebe, Spannung, Angst und Trauer! Aber auch bitterböse Intrigen und blutige Kämpfe brechen hier Bahn! Viele Personen aus den Vorgängerbänden bekommen in „Der Glanz der Dunkelheit“ ihre große Stunde und ungeahnte Wendungen erschüttern unsere Protagonisten!

    Nach dem Ende der Chronik kann ich auch bestätigen, dass sich die Handlung der ganzen Buchreihe sehr stark auf einen Strang konzentriert und nicht groß in die Ferne abschweift. Gerade bei so vielen Seiten hätte sich die Geschichte viel weiter verzweigen und in die Länge ziehen können. Aber ganz im Gegenteil konzentriert sich Mary E. Pearson hier bewusst auf ihre Linie und besticht mit starken Beschreibungen und detaillierten Kampfszenen, die aber in keinster Weise langatmig oder schwerfällig auf mich gewirkt haben!

    Wie schon in den Vorgängerbänden gefällt mir auch ihr Schreibstil wieder sehr gut. Durch ihre bildgewaltige Art, erzeugt sie wunderbare Szenen und lässt in unseren Köpfen ganze Königreiche entstehen. Auch die häufigen Wechsel zwischen den Erzählperspektiven beleben die Geschichte und regen immer wieder zum Weiterlesen an.

    Rückblickend ist Lias Entwicklung einfach bemerkenswert. Ihr Handeln war zwar gerade zu Beginn der Geschichte nicht immer nachvollziehbar und wirkte eher trotzig, sie verändert sich aber mit jedem Band und wird mit der Zeit glaubhafter und deutlich bestimmter! Sie hat ihre Rolle angenommen und wirkt in dieser sehr authentisch.
    Die Liebesgeschichte, die im ersten Band der Reihe noch viel Platz eingenommen hat, wird im Laufe der Handlung immer mehr zur Nebensache und flackert nur zwischen den einzelnen Szenen kurz auf. Gerade Kaden macht hier einen großen Schritt nach vorne, der sich für mich zu meinem absoluten Liebling gemausert hat!

    „Der Glanz der Dunkelheit“ ist ein absolut gelungenes Ende der Reihe! Und doch bin ich irgendwie traurig, dass die Geschichte nun zu Ende ist!

  • „Die Gabe der Auserwählten“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original:  „The Beauty of Darkness I“
    Autor:  Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag:  Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 3
    Seitenzahl:  348
    ISBN:  978-3-8466-0052-8

    Lia und Rafe konnten aus Venda fliehen, aber verletzt und durchgefroren haben sie einen ungewissen Weg vor sich. Ihr Ziel ist Dalbreck, Rafes Königreich. Unterwegs hört Lia immer deutlicher, wie die innere Stimme zu ihr spricht. Und sie spürt, dass sie schon viel zu lang weit weg ist von Morrighan, ihrer Heimat. Rafe verspricht ihr eine Zukunft als Königin an seiner Seite. Doch Lia ist innerlich zerrissen zwischen wiederstreitenden Gefühlen. Wie wird sie sich entscheiden?

    Meine Meinung

    Nachdem ich in den letzten Jahren schon etwas aus dem Jugendbuch-Genre hinausgewachsen bin und nur noch wenige Bücher in meinen Regalen behalten habe, bin ich von der „Chronik der Verbliebenen“ wirklich begeistert.

    Bei „Die Gabe der Auserwählten“ wurde ein englisches Original mit knappen 800 Seiten vom deutschen Verlag in zwei Bücher aufgesplittet. Daher merkt man auch an der Handlung ganz klar, dass die Geschehnisse und Wendungen gezielt auf das Finale im letzten Band hinarbeiten sollen!
    Lia und Rafe konnten aus Venda fliehen, doch verletzt und durchgefroren liegt ein ungewisser Weg vor ihnen. Während die Beiden Rafes Heimat, mit jedem Kilometer näher kommen, spürt Lia, dass sie schon viel zu lang von ihrem Zuhause entfernt ist. Alles deutet darauf hin, dass das Land kurz vor einem Krieg steht! Obwohl Rafe ihr eine Zukunft als Königin an seiner Seite verspricht, ahnt Lia, dass sie ihrer Bestimmung folgen muss. Sie möchte als „Erste Tochter“ von Morrighan ihrem Volk zur Seite stehen und für ihr Land kämpfen!

    Zusätzlich zu dem Aufbau des großen Showdowns, nimmt sich Mary E. Pearson in diesem Band sehr viel Zeit für die Charakterentwicklungen. So sehr ich einzelne starke Charaktere zu schätzen weiß, bin ich doch immer begeistert, wenn eine Horde an Protagonisten zu einer geschlossenen Einheit zusammenwachsen und Seite an Seite um ihre Ziele kämpfen. In „Die Gaber der Auserwählten“ entwickeln sie eine starke und einflussreiche Motorik. Dennoch lernt man die einzelnen Figuren besser kennen und auch Personen, die in der bisherigen Erzählung eher am Rand standen, rücken näher ins Zentrum.

    Die Autorin schreibt wie gewohnt bildgewaltig, locker und leicht. So bringt sie einem die fremden Königreiche näher und man findet sehr schnell in die Geschichte zurück …

    Trotz Zwischenband bekommen wir viele Wendungen und spannende Handlungen in diesem Buch erzählt. Nach Venda, lernen wir nun Dahlbreck und dessen Gesinnung etwas besser kennen und so schließt sich auch der Kreis um die drei Königreiche!

  • „Konklave“ | Robert Harris

    Titel im Original: „Conclave“
    Autor: Robert Harris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Müller
    Verlag: Heyne
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  349
    ISBN: 978-3-453-27072-5

    Der Papst ist tot. Er war alt, aber die Todesumstände sind mysteriös. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner …
    Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten des Sixtinischen Kapelle hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstobene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror? Oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen?

    Meine Meinung

    Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, dass es heutzutage noch Orte wie den Vatikan gibt, die über Jahrhunderte ihre Geheimnisse bewahren und deren Mythen allen Krisen und Anfechtungen zum Trotz überlebt haben. Selbst die „unbegrenzten“ Möglichkeiten des World Wide Web schaffen es nicht, hinter die geheimen Abläufe der christlichen Kirche zu schauen. Sie kratzen allerhöchstens an der Oberfläche!

    Als Konklave bezeichnet man die Wahl eines neuen Papstes. Dafür kommen die Bischöfe aus aller Welt zu einem streng durchstrukturierten Wahlregiem zusammen, das seit jeher auf die Außenwelt ebenso geheimnisvoll wie faszinierend wirkt. Daher ist es ein ganz besonders Wagnis von Robert Harris, unsere voyeuristischen Sehnsüchte anzufachen und uns Glauben zu lassen, wir könnten Dank ihm hinter die Geheimnisse dieses strengbehüteten Geheimnisses schauen.

    Auch wenn der Klappentext zwischen den Zeilen etwas anderes suggeriert, in „Konklave“ gibt es keinen Mord im Vatikan. Und auch die Intrigen halten sich in Grenzen. Es wird unheimlich viel gebetet, was das Thema des Buches ja schon klarmacht, dennoch musste ich mich öfters fragen, ob Kardinäle im realen Leben wirklich so bigott und fromm sind, wie man sie uns hier verkaufen möchte. Irgendwann habe ich über die Predigten und Gebete einfach drüber gelesen.
    Dennoch schafft es der Autor, den Leser von Beginn an in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Auch wenn das Buch sehr ruhig erzählt und von den Abläufen der Handlung nur sehr einfach gestrickt ist. In meinen Augen ein schwieriges Unterfangen, da die Abläufe einer Papstwahl alles andere als spektakulär sind. Nichts desto trotz schwanken wir mehr als einmal zwischen göttlichen Höhen und teuflischen Abgründen!

    Robert Harris ist keiner, der den Vorschlaghammer auspackt, wenn er auf Probleme und Missstände in der christlichen Gemeinschaft und ihrer Würdenträger hinweist. Vielmehr gelingt es ihm, den Protagonisten so viel Tiefe und Schärfe, aber auch Stärken und Schwächen einzuverleiben, dass man als Leser Position beziehen kann: Einerseits zustimmend, andererseits ablehnend, aber immer frei von Verachtung oder Häme!

    Auch das Ende der Geschichte konnte mich voll und ganz von sich überzeugen. In großen Teilen war es durchaus vorhersehbar und dennoch konnten die Wendungen auf den letzten Seiten doch überraschen.

    „Konklave“ ist auf jeden Fall eine tolle Unterhaltung, zumal das Buch in keiner Phase seines Bestehens mehr sein möchte, als es wirklich ist!