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  • „Mein Name ist Judith“ | Martin Horvàth

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Martin Horváth
    Verlag:  Penguin Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  362
    ISBN:  978-3-328-60010-7

    Wien in der nahen Zukunft!
    Eines Tages sitzt ein fremdes Mädchen in einem altmodischen Mantel in León Kortners Küche. Wer ist diese Judith Klein? Sie behauptet, dass ihr Vater die Buchhandlung unten im Haus führt – Die Buchhandlung, die die Kleins Ende der 1930er Jahre auf der Flucht vor den Nazis aufgeben mussten …

    Meine Meinung

    Wien, im Jahre 2032. Martin Horváth beschreibt die traumatischen Ereignisse im Leben des Schriftstellers Leòn Kortner. Nachdem dieser bei einem Attentat auf den Wiener Bahnhof seine Frau und Tochter verliert, zieht er sich vollkommen aus seinem bisherigen Alltag zurück. Er beginnt zunehmend zu vereinsamen. Die Wohnung ist still, dennoch befinden sich an allen Ecken die Erinnerungen an seine Familie. Und plötzlich sitzt da ein junges Mädchen in seiner Wohnung: Nicht seine Tochter, aber Judith Klein!
    Leòn braucht nicht lange um zu verstehen, dass Judith nur in seiner Fantasie existiert …

    Martin Hováth ist mit seinem zweiten Roman hochkarätige Literatur gelungen. Der Schreibstil ist flüssig und mitreißend, dennoch lyrisch und poetisch. Auch die Art, wie er die Geschichte an den Leser transportiert ging mir durch Mark und Bein.
    „Mein Name ist Judith“ ist eine Geschichte, die sicher nicht immer leicht zu lesen ist, da sie unweigerlich einen eher bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Auch wenn viele Details aus der Vergangenheit nur bildlich angesprochen werden, bleibt der Schrecken des 2. Weltkrieges auf jeder Seite präsent.

    Leòn Kortner flüchtet sich immer wieder in die Vergangenheit: Zunächst erscheint es, als wäre Judith eine Erscheinung, die aus seinem eigenen Kopf entspringt, da er sich vermehrt mit den Kleins auseinandersetzt. Einer jüdischen Familie mit 3 Kindern, die früher in seiner Wohnung lebten und über Jahrzehnte eine Buchhandlung im Erdgeschoss des Zinshauses geführt haben. Judith ist die jüngste Tochter und bis heute ist ihr Schicksal ungewiss.
    Die Auseinandersetzung mit Gegenwart und Vergangenheit wird vom Autor sehr gelungen erzählt und hat mich definitiv zum Nachdenken gebracht. Drama, Liebesgeschichte und fantastische Elemente ergeben ein rundes Gesamtbild!

    Die schriftstellerische Freiheit ein Bibelzitat, dass uns aus dem Johannesevangelium bekannt ist „Am Anfang war das Wort …“, zu nutzen, um seinen Protagonisten hervorzuheben, finde ich zwar spannend gewählt, in meinen Augen hätte dieses Element aber vom dem Autor noch besser eingesetzt bzw. verflochten werden können. Das Zitat kommt zwar immer wieder durch, den Bezug zu der Geschichte muss man sich aber erst selbst erarbeiten …

    Martin Horvàth lässt seine Leser in diesem Buch neue Wege gehen und animiert uns immer wieder zum Umdenken!

  • „New In“ | 15.04. – 15.05.

    „Gott der Barbaren“
    Stephan Thome
    Rezensionsexemplar
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    „So enden wir“
    Daniel Galera
    Rezensionsexemplar
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    „Mein Name ist Judith“
    Martin Horváth
    Rezensionsexemplar
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    „Die Göttliche Komödie“
    Dante Alighieri
    Rezensionsexemplar
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    „Stadt der träumenden Bücher“
    Walter Moers
    Rezensionsexemplar
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  • „So enden wir“ | Daniel Galera

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Meia-Noite e Vinte
    Autor:  Daniel Galera
    Aus dem Brasil. Portugiesischen von Nicolai v. Schweder-Schreiner
    Verlag:  Suhrkamp Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  232
    ISBN:  978-3-518-42801-6

    Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde. Damals waren sie unsterblich – Helden einer neuen digitalen Gegenkultur, wütend und exzessiv – jetzt ist der genialste von ihnen tot. In seinen Büchern scheint er ihnen ein Rätsel hinterlassen zu haben. Oder ist es eine Warnung?

    Meine Meinung

    Unruhen auf den Straßen. Korruption. Gewalt. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014!
    Inmitten dieser Krisengesellschaft begegnet uns eine Gruppe junger Menschen, die ein etwas anderes Leben suchen, fernab von der Moderne. Sie wünschen sich in das Jahr vor der Jahrtausendwende zurück …

    Ende der 90er Jahre erobert das kontroverse Online-Magazin „Orangotango“ die digitale Welt Brasiliens. Die vier Freunde Aurora, Emiliano, Antero und „Duke“ erleben eine wilde zügellose Studentenzeit. Unbewusst setzten sie eine Bewegung frei, die von vielen Menschen verfolgt wurde. Immer bereit, die bekannten Strukturen aufzubrechen, um kulturelles Neuland zu betreten.
    Als sich ihre Wege trennen, ist Emiliano weiterhin als Journalist tätig, während Antero eine sehr erfolgreiche Werbefirma aufbaut. Aurora hat sich für ein Biologiestudium entschieden und arbeitet an ihrer Dissertation über den Biorhythmus von Zuckerrohr. „Duke“ wird ein erfolgreicher Schriftsteller mit einer großen Fangemeinde – doch 2014 wird er bei einem Raubüberfall ermordet! Bei seinem Begräbnis beginnen sich die drei Freunde zu fragen, was aus ihnen und ihren Träumen geworden ist und vor allem:  Wer war Duke wirklich und was bedeutet sein Vermächtnis?

    Daniel Galera legt uns hier einen gesellschafts- und medienkritischen Roman vor. Wir lesen hier über das Dilemma einer mit allen Möglichkeiten der neuen digitalen Welt aufgewachsenen, intellektuellen Jugend, die sich selbst jedoch mit den Jahren irgendwann verloren hat. In der Realität verunsichert und vereinsamt!
    Er siedelt seine Geschichte mitten in den chaotischen Zuständen der Proteste und Streiks im Jahre 2014 in den Städten Porto Alegre und Sao Paulo an. Thema dieses Romans ist natürlich auch die wirtschaftliche Situation in Brasilien und die Demonstrationen der unzufriedenen Bevölkerung. Das Kernthema ist jedoch deutlich die vernetzte Konsumwelt und die immer schillernder werdende Welt der sozialen Medien, der sich niemand entziehen kann. Selbst die sexuellen schnellen Bedürfnisse lassen sich dort ganz einfach ausleben …

    Wir erfahren die Geschichte aus wechselnden Perspektiven der drei übrig gebliebenen Freunde, die ihr Leben reflektieren und die Beziehung zu „Duke“ thematisieren. Die Sprache ist frech und vulgär, was wir insbesondere bei der einzigen weiblichen Figur Aurora zu spüren bekommen, die noch am Stärksten die Auswirkungen der neuen Gesellschaft zu spüren bekommt.
    Die Erzählung ist eher ruhig gestaltet und bleibt oftmals in den Gedanken des Autoren stecken.

    Wer sich auf Daniel Galera und seine Sprache einlässt, muss sich Zeit nehmen. Man sollte auch für eine oft harte, beinahe brutale Ausdruckweise und entsprechende Gedankenbilder bereit sein. Dennoch ist der Autor nie wirklich destruktiv und er entlässt seine Protagonisten und Leser mit einem Ausblick in eine positive Zukunft …

  • „Chroniken von Azuhr: Die weiße Königin“ | Bernhard Hennen

    Autor:  Bernhard Hennen
    Verlag:  Fischer Tor Verlag
    Genre:  Fantasy
    Seitenzahl:  623
    Chroniken von Azuhr, Band 2
    ISBN:  978-3-596-70365-4

    Auf der Insel Cilia eskaliert der Konflikt zwischen der Liga der Stadtstaaten und den Herzögen des Schwertwaldes. Die militärische Übermacht der Liga ist erdrückend, und die Hoffnung der Waldbewohner ruht auf einer alten Sage, dass in der Stunde der größten Not die Weiße Königin, die ehemalige Herrscherin des Waldes, zurückkehren wird. Doch wie groß muss die Not werden, bis sich dies erfüllt?
    Milan Tormeno versucht, den Wirren des Krieges zu entgehen, denn in seinen Augen kämpft keine von beiden Seiten für eine gerechte Sache. Doch es droht eine weitere Gefahr: Überall auf der Insel erwachen Märengestalten zu neuem Leben.

    Meine Meinung

    Auch in „Die weiße Königin“ wird die Insel Cilia wieder Schauplatz eines großen Krieges. Gleich mehrere Feldherren versuchen die Rebellen des Schwertwaldes zu vernichten. Allen voran der Erzpriester Nandus, dem von Anfang an klar ist, dass in der entscheidenden Schlacht geweissagt wurde, dass die weiße Königin erscheinen und ihr Volk retten wird. Trotzdem versucht er alles, um den Kampf für sich zu entscheiden …
    Währenddessen versucht sein Sohn Milan, die aus dem Ruder laufenden Märengestalten in den Griff zu bekommen und einen Weg zu finden, um seine geliebte Felicia wieder zum Leben zu erwecken. Dabei bekämpft er nicht nur die Mären, er verändert auch die Geschichten und spinnt neue Gestalten. Er beeinflusst die Realität so aktiv, dass selbst lebende Menschen sich charakterlich verändern ohne es zu merken …

    Bernhard Hennen schreibt wie gewohnt rasant und kampfeslustig, mit tollen Dialogen und actionreichen Wendungen. Die Kapitel sind angenehm kurz und anhand der Überschrift erkennt man sofort wann und wo man sich befindet.
    Wie schon im Vorgängerband erzählen die ersten 100 Seiten eine Rückblende:  Wir erfahren die dramatischen Geschehnisse, die mit der Geburt der Kaiserin Sasmira einhergehen, die in der aktuellen Zeit gerade zum zweiten Mal die Macht an sich gerissen hat. Dies ist besonders wichtig um die Gegenwart besser zu verstehen.

    Die Geschichte besticht deutlich durch seine starken Kontraste. Die mittelalterlich angehauchten Handlungsorte schwanken zwischen Asien, Italien und Spanien und kreuzen immer wieder die Wege der Märchen und Mythen. Wir lernen Meerhexen, Gryme, Basilisken, Riesen, und Waldtrolle kennen, die ihr Unwesen in Cilia treiben.

    In der Gegenwart entwickeln sich Milan und Nandus deutlich weiter. Was mich sehr überrascht hat, war die Tatsache, dass sie sich ähnlicher sind als zunächst gedacht. Alle Charaktere, bis hin zu den kleinsten Nebendarsteller, sind stark und tiefgründig gestaltet. Brüche in den Persönlichkeiten, Reifungsprozesse, psychologische Abgründe. Der Leser wird dabei auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt.

    Bernhard Hennen schreibt wunderbar spannende und vielfältige Geschichten, die voll Dramatik und Leben sind. Auch die „Chroniken von Azuhr“ stehen seinen Elfen und Drachenelfen in nichts nach  …

  • „Das Herz des Verräters“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original: „The Heart of Betrayal“
    Autor: Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag: Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 2
    Seitenzahl: 527
    ISBN: 978-3-8466-0042-9

    Du bist stark, stärker als dein Schmerz. Stärker als dein Kummer, stärker als sie alle. Lia trägt die Gabe der Vorsehung in sich. Das was kann sie damit ausrichten – gefangen hinter den Mauern von Venda?

    Seit Lia in den feindlichen Palast verschleppt wurde, muss sie um ihr Leben fürchten. Rafe ist zwar an ihrer Seite, aber ihrer kann auch er sie nicht mehr beschützen. Der Komizar von Venda will Lias Tod – und erst als Kaden in verrät, dass Lia die Gabe der Vorsehung besitzt, steigert das in den Augen ihres Feindes Lias Wert. Sie gewinnt Zeit – doch was sagt ihr der Blick in die Zukunft? Lia muss wichtige Entscheidungen treffen – und einen Weg finden, um endlich ihrem Gefängnis zu entfliehen …

    Meine Meinung

    Da mich ja schon „Der Kuss der Lüge“ von Mary E. Pearson vor einigen Wochen sehr begeistern konnte, musste ich im April auf jeden Fall mit der Chronik der Verbliebenen weitermachen.

    Gerade finde ich es ein bisschen schwierig näher auf den Inhalt des Buches einzugehen, ohne hier ungewollt zu viel zu erzählen. Ich kann euch aber verraten, dass ich wirklich gut unterhalten wurde!
    Nach ihrer Entführung werden Lia und Rafe nun in Venda gefangen gehalten. Die Prinzessin gilt als die wichtigste Beute des Komizars und soll ihm einige verschlossene Türen in seiner Regierung, aber auch im bevorstehenden Krieg öffnen. In der Hoffnung, Rafe zu schützen, spielt sie das gefährliche Spiel mit! Gleichzeitig warten die Beiden natürlich auf die erstbeste Gelegenheit zur Flucht! Doch der Komizar hat ihre Pläne längst durchschaut!

    Während im ersten Band noch überwiegend die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, lernen wir in diesem Buch das düstere und trostlose Königreich Venda und dessen sagenumwogene Vergangenheit besser kennen!

    Auch in „Das Herz des Verräters“ ist Mary E. Pearsons Schreibstil wieder leicht und flüssig. Sie schreibt sehr detailliert, bildlich und actionreich, sodass ich wieder gut in die Welt zurückfinden konnte.
    Da das Buch wieder aus diversen Ich-Perspektiven erzählt wird, bekommen wir die unterschiedlichsten Einblicke in das Geschehen. Auch die Gedanken der einzelnen Protagonisten drehen die Spannung nochmal ordentlich hoch.
    Neben Venda, erfahren wir auch neue Einzelheiten über Pauline, die für Lia eine Rettungsaktion plant.

    War ich noch im ersten Band etwas distanzierter bzw. vermutlich auch ein bisschen überfordert mit einigen Charakteren, gingen sie mir im zweiten Band schon viel näher. Sowohl die Guten, als auch die weniger Freundlichen! Die Autorin zeigt hier viel Liebe zum Detail: Jeder Charakter bekommt seine eigene Tiefe, die nicht selten auf einen Abgrund zusteuern. Gerade Lia lernt ihre Gabe immer besser zu beherrschen und entwickelt sich rasant weiter.

    Nur was ihre Männergeschichten angeht, hatte ich doch das Gefühl, das sie sich noch nicht so ganz zwischen Rafe und Kaden entscheiden möchte …

  • „Die stille Bestie“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „An Evil Mind“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    6. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  443
    ISBN:  978-3-548-38712-6

    Profiler Robert Hunter vertraute immer nur wenigen Menschen. Eigentlich nur einem: Lucien Folter, seinem Freund aus Studientagen. Bis dieser plötzlich verschwand. Jahre später kommt ein Anruf:  Die Körperteile unzähliger Mordopfer sind aufgetaucht, grausige Trophäen. Angeklagt ist Lucien Folter. Und er will nur mit einem reden:  Robert Hunter!

    Meine Meinung

    Sommer, Sonne, Strand und Meer! Nach seinem letzten nervenaufreibenden Fall sehnt sich Detective Robert Hunter einfach nur noch nach einer Pause! Der Flug nach Hawaii ist bereits gebucht, als ihn ein Anruf seiner Chefin erreicht: Bei einem Autounfall, auf dem Parkplatz eines Dinners, werden im Kofferraum zwei Frauenköpfe gefunden. Nach seiner Verhaftung will der vermeintliche Täter ausschließlich mit Robert Hunter sprechen …
    Überrascht muss dieser feststellen, dass es sich um niemand geringeren als seinen alten Studienfreund Lucien Folter handelt. Er bittet ihn darum, seine Unschuld zu beweisen …
    Zusammen mit dem FBI soll Robert Hunter in Luciens Haus nach Beweisen suchen, doch was sie dort finden, lässt ihm den Atem stocken!

    „Die stille Bestie“ von Chris Carter ist anders, denn der Fall gehört sicher zu Roberts persönlichsten!
    Da es sein Partner Carlos Garcia noch rechtzeitig in den wohlverdienten Urlaub geschafft hat, muss der Detective diesmal alleine ermitteln. Anders als bisher steht der Täter von Anfang an fest und Hunter versucht herauszufinden, was aus seinem alten Freund in den vergangenen Jahren geworden ist.
    Auch in diesem Buch wird uns die Geschichte, wieder von einem auktorialen Erzähler geschildert. Man erfährt dabei nicht nur, wie Detective Hunter seine Ermittlungen angeht, sondern bekommt zudem noch einen guten Einblick in die Denkweise des Täters. Dieser rückt nur mit Informationen raus, wenn er im Gegenzug Fragen stellen darf. Und die betreffen vor allem die Vergangenheit seines Freundes. Aus den vorherigen Fällen wissen wir ja bereits, dass Robert Hunter nicht zu Emotionen oder Ausbrüchen neigt, sondern fast unterkühlt und rational wirkt. In diesem Thriller ist es ganz ähnlich und doch so anders!

    Ich muss gestehen, ich habe mich von Anfang an ziemlich an der Nase herumführen lassen. Chris Carter schickt den Leser mal wieder auf einige falsche Fährten, die sich dann überraschenderweise doch wieder als Sackgassen entpuppen. Die Geschichte erinnert ein bisschen an „Das Schweigen der Lämmer“. Allerdings fand ich die Beschreibungen der Gräueltaten in diesem Band wesentlich angenehmer und erträglicher, das Buch fordert dafür mehr Kopfarbeit. Robert Hunter muss mit sein ganzes Können als Profiler und Psychologe aufwarten, um Lucien Folter auf die Schliche zu kommen. Und dieser versucht mit aller Macht seinen alten Freund aufs Glatteis zu führen. Auch er ist ein hochintelligenter Kopf und hat mit der Planung seiner Morde augenscheinlich schon sehr früh begonnen …

    Und so kam es, dass ich das erste Mal bei einem knallharten und zum Ende hin richtig blutigen Thriller geheult habe wie ein Schlosshund …

  • „Marschmusik“ | Martin Becker

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Martin Becker
    Verlag:  btb Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  283
    ISBN:  978-3-442-71755-2

    Tief unter der Erde hält der junge Mann aufgeregt und fiebrig ein warmes Stück Kohle in der Hand. Zum ersten Mal. Hier im Streb, wo Generationen von Bergleuten malocht haben. Bald endet die Kohlebeförderung in Deutschland. Und damit das Leben unter Tage. Dann ist im Ruhrpott Schickt im Schacht. Und es bleiben nur noch Erinnerungen:  an den wortkargen Vater und die Abende mit Bier, Schnaps und Marschmusik aus dem Küchenradio.

    Martin Becker erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von der magischen Welt des Kohlebergbaus und der verführerischen Kraft der Finsternis unter Tage – allem Verschwinden zum Trotz immer wieder mit Leichtigkeit und Witz!

    Meine Meinung

    Martin Becker ist mir das erste Mal 2019 als Autor von „Warten auf Kafka“ ins Auge gefallen. In seinem Roman „Marschmusik“, der 2017 erschien, schreibt er über seine Liebe zum Ruhrpott. Eine gefühlvolle Hommage an die Menschen, die im Bergbau unter Tage gearbeitet haben. Schnörkellos, aber dennoch liebevoll, erzählt er von den Sorgen und Nöten einer typischen Arbeiterfamilie, deren Leben aus wenig Abwechslung und dafür umso mehr harter Maloche besteht!

    Der Erzähler ist der jüngste Sohn der Familie. In Rückblenden erfahren wir nicht nur die Geschichte der Eltern, sondern auch die Kindheit des Protagonisten, der als Jugendlicher anfängt sich für das Posaunenspiel zu begeistern und von einer großen Weltkarriere träumt. Ein deutlicher Gegensatz zum Leben seiner Eltern, die Tag für Tag schwer arbeiten mussten um über die Runden zu kommen und um ihren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen.
    Der Roman erzählt einen Alltag, der uns heute so fremd erscheint, dass man sich kaum vorstellen kann, dass ganze Generationen so gelebt haben …

    Martin Beckers Schreibstil ist hier eher einfach gehalten, der Inhalt dafür umso Ehrlicher und Realistischer. Gerade in der gegenwärtigen Zeitebene, umweht den Roman eine starke Melancholie. Nachdem sich die Mutter nach mehreren Hirnblutungen wieder ins Leben zurückgekämpft hat, verstirbt kurze Zeit später der Vater. Die mittlerweile an Demenz erkrankte Mutter lebt nach wie vor in ihrem Haus in Mündendorf. Ein Ort, der für unseren Protagonisten mit viel Schmerz und Wehmut verbunden ist. Ein Ort, den er nur mit großer Überwindung besucht und jedes Mal wieder froh ist, ihn verlassen zu können …

    Der Roman ist in einem durchlaufenden Fließtext verfasst, in dem die wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen gesetzt wurde. An das muss man sich zu Beginn des Lesens ein bisschen gewöhnen. Genauso sind die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, nur durch Absätze getrennt. Ungewöhnlich, aber gut!

    „Marschmusik“ ist ein Roman der leisen und doch tiefen Töne. Eine Geschichte, die in vielen Bereichen doch fast jeden von uns beschäftigt. Heimat. Familie. Vergangenheit. Und das was bleibt …
    Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken gebracht!

  • „Der Berg“ | Dan Simmons

    Titel im Original:  „The Abominable“
    Autor:  Dan Simmons
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Friedrich Mader
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  759
    ISBN:  978-3-453-26896-8

    Wir schreiben das Jahr 1924. Auf der Nordostseite des Mount Everest machen sich die beiden britischen Bergsteiger George Mallory und Andrew Irvine auf den Weg zum Gipfel – und verschwinden spurlos!

    Bis heute weiß man nicht, was damals geschehen ist. Führten die schlechten Wetterbedingungen zum Scheitern der Expedition? Lag es an der mangelhaften Ausrüstung der beiden Bergsteiger? Oder war vielleicht etwas dort oben bei ihnen auf dem Berg?
    Diese Fragen lassen den Bergsteiger Richard Deacon nicht los, und so organisiert er ein Jahr später eine weitere Expedition, um das Schicksal der beiden Verschollenen aufzuklären – und um den höchsten Berg der Welt endlich zu bezwingen.

    Meine Meinung

    Dan Simmons ist ein begnadeter Erzähler und gilt in meinen Augen völlig zurecht als einer der ganz Großen seiner Zunft. Ich lese seine Romane wahnsinnig gern! Er besitzt die Fähigkeit seine Leser mit fließenden und mitreißenden Bildern gefangen zu nehmen.

    Vor allem Kletterer und Alpinisten kennen die historischen Geschehnisse rund um die Erstbesteigung des Mount Everest. „Der Berg“ erzählt die schrecklichen Begebenheiten, die zum Verschwinden der britischen Bergsteiger George Mallory und Andrew Irvine geführt haben. Bei ihrem Versuch Mitte der 1920er Jahre, verschwanden die beiden Männer spurlos! George Mallorys Leiche wurde erst 1999 gefunden, die allerdings keine typischen Absturzverletzungen aufwies, lediglich einen gebrochenen Unterschenkel.
    Mit diesem historischen Hintergrund erschuf Dan Simmons einen fiktiven Roman, der den Leser in die damalige Zeit und in einen rauen Teil der Bergsteigergeschichte eintauchen lässt …

    Wer jedoch einen spannenden Abenteuerroman erwartet, wird hier wohl eher enttäuscht sein!
    Dan Simmons schreibt authentische, detailreiche und vor allem bildgewaltig, konzentriert sich aber vor allem auf seine Charaktere und die beeindruckenden und doch atmosphärischen Natur- und Bergbeschreibungen. Wir lernen den „Alspinstil“ kennen und sind bei den Vorbereitungen der Expedition hautnah dabei. So erhält man einen großen Einblick in die damalige Ausrüstung und die Weiterentwicklung der wichtigsten Gegenstände.

    Gegen Ende des Buches wird die Geschichte dann doch nochmal sehr temporeich und der Roman entwickelte sich zu einer spannenden Spionagegeschichte mit waghalsigen und beklemmenden Kletterpartien, die mir mehr als einmal den Atem geraubt haben.

    Ein toller Roman, der mein Kopfkino ordentlich auf Touren gebracht hat!

  • Lesemonat April 2019

    Gelesene Bücher:  12 Bücher  |  Abgebrochene Bücher:  0 Bücher
    Gesamtseitenzahl: 5.381 Seiten
    Ca. 179 Seiten pro Tag

    3 weibliche Autoren  |  8 männliche Autoren
    6 Autoren aus Deutschland
    4 Autoren aus Amerika
    1 Autor aus der Schweiz
    1 Autor aus Brasilien

    Hardcover: 8 Stück  |  Klappbroschur:  0 Stück  |  Taschenbuch:  4 Stück

    „Augenblicke“
    Stefan Schär
    108 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Vom Ende eines langen Sommers“
    Beate Teresa Hanika
    317 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Scharnow“
    Bela B. Felsenheimer
    414 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“
    Joel Dicker
    666 Seiten
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    „Marschmusik“
    Martin Becker
    283 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Willkommen im Fairvale Ladies Buchclub“
    Sophie Green
    506 Seiten
    Rezensionsexemplar
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    „Der Berg“
    Dan Simmons
    759 Seiten
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    „Die stille Bestie“
    Chris Carter
    443 Seiten
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    „Der Bücherdrache“
    Walter Moers
    165 Seiten
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    „Das Herz des Verräters“
    Mary E. Pearson
    527 Seiten
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    „Die Chroniken von Azuhr:  Der Verfluchte“
    Bernhard Hennen
    570 Seiten
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    „Die Chroniken von Azuhr: Die weiße Königin“
    Bernhard Hennen
    623 Seiten
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