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  • „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ | Michel Faber

    Titel im Original:  „The Book of strange new Thinks“
    Autor:  Michel Faber
    Aus dem Englischen übersetzt von Malte Krutzsch
    Verlag:  Kein & Aber
    Genre:  Roman | Science Fiction | Religion | Apokalypse
    Seitenzahl:  679
    ISBN:  978-3-0369-5779-1

    Der junge Pastor Peter Leigh wird auf die Reise seines Lebens geschickt – nur darf seine Frau Bea ihn nicht begleiten. Um in Kontakt zu bleiben, schicken sie sich Briefe. Doch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit musste eine Liebe eine derart große Distanz überbrücken.

    Meine Meinung

    Als ich den Klappentext zu diesem Buch das erste Mal las, hatte ich sofort ein klares Bild der Geschichte im Kopf. Und ich lag ja sowas von Falsch! So beeindruckend schlicht und flüssig die Sprache Michel Fabers auch ist, so ungewöhnlich und unvorhersehbar ist die Geschichte, die hier erzählt wird …

    Wir begleiten den Geistlichen Peter Leigh, der von einem NASA-inspirierten Großkonzern auf einen ferne Planten namens „Oasis“ geschickt wird. Zu seiner großen Überraschung nehmen die dortigen Bewohner seine biblischen Erzählungen begierig auf und möchten ganz nach dem Wort Gottes leben. Sie nennen die Bibel „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“!
    In vielen Briefen berichtet er seiner zu Hause gebliebenen Frau von dieser offensichtlich bequemen Mission. Sie dagegen schreibt von einer veränderten Welt, in der Erdbeben und Flutwellen ganze Staaten vernichten und wo Lebensmittel zur Mangelware werden. Doch für Peter ist das alles sehr weit weg …

    Michel Faber liefert uns einen tollen Roman, der nicht wirklich einem Genre zuzuteilen ist. Die Science Fiction war für mich zwar immer präsent, ist im Großen und Ganzen aber nur ein gut eingesetztes Stilmittel des Autors. Ebenso die apokalyptischen Geschehnisse auf der Erde. Das Buch besticht auch nicht durch seine rasante Action: Sie ist eher ruhig und intensiv erzählt und verlässt nur selten das Seelenleben unseres Hauptprotagonisten. Die Sprache ist schlicht und angenehm flüssig. Das Hauptaugenmerk liegt gezielt auf dem christlichen Glauben. Darum, wie er sich in einem Menschen manifestiert und was ein gläubiger Mensch mit Gottes Beistand alles zu ertragen weiß. Der Roman kreist um Erinnern und Vergessen, Fremdheit und Vertrautheit, um Nähe und Abschied.

    Eigentlich habe ich mir vom Leben auf der Oasis mehr Abenteuer, Spannung und Gefahren erwartet, stattdessen stellt sich dieser als friedlicher Ort heraus. Beinahe schon idyllisch! Auf der Erde hingegen ereignet sich eine Naturkatastrophe nach der Anderen. Es wird zwar nie ausgesprochen, doch liegt es nahe, dass diese durch die Klimaerwärmung ausgelöst wurden. Bea durchleidet Dramen, die für Peter in immer weitere Ferne rücken. Wie kann der Partner nachvollziehen, was einem selbst widerfährt? … man spürt in den Briefen deutlich, wie die Beiden voneinander wegdriften und die Realität des Anderen sich entfernt.

    Während andere Schriftsteller fast jährlich einen neuen Roman veröffentlichen, hat sich Michel Faber für sein aktuelles Buch mehr als sechs Jahre Zeit gelassen. An vielen Stellen schimmert die Trauer um seine an Krebs verstorbene Frau durch. Dennoch hat Michel Faber eine wunderbare Geschichte geschaffen, in dem man als Leser auch ohne strengen Glauben ganz aufgeht.

  • „Der Totschläger“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „One by One“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    5. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  462
    ISBN:  978-3-548-28576-4

    Er sagt, du hast keine Wahl! Er sagt, du kannst nur zusehen! Es liegt nicht in deiner Macht, die Morde zu verhindern …
    Detective Robert Hunter erhält einen Anruf. Spiel mit mir, sagt die anonyme Stimme. Doch Mord ist für Hunter kein Spaß – Zug um Zug wird er zum echten Spielverderber!

    Meine Meinung

    Herzlich Willkommen in einem intelligenten und tiefgründigen Thriller über die Reize des Morbiden und die Anonymität im Internet!

    Im 5. Fall des Morddezernat 1 bekommen Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia anonyme Anrufe. Die Stimme dahinter fordert sie auf, eine eigens für sie eingerichtete Homepage aufzurufen. Nachdem Hunter vor die Wahl gestellt wurde, ob verbrennen oder ertrinken, müssen sie mitansehen, wie der Mann vor der Kamera grausam zu Tode gefoltert wird. Von diesem Zeitpunkt an, sind unsere beiden Ermittler die Hauptakteure in einem bestialisch-perfiden Spiel …
    Der Mörder ist perfekt vorbereitet und macht es dem Morddezernat alles andere als leicht. Seine Spuren sind perfekt getarnt und es gibt keinerlei Hinweise auf die Opfer oder auf seine Motive. Und der Täter wartet nicht lange:  Er hat schon sein nächstes Opfer auserkoren und wartet nur noch darauf, wieder online zu gehen …

    Wir alle kennen Autoren, die nach einigen guten Büchern zu schwächeln anfangen. Chris Carter gehört nicht dazu! Wie auch schon die Vorgängerbände ist dieser Thriller extrem spannend und flüssig zu lesen. Die Wechsel zwischen den Szenen sind an genau den richtigen Stellen und haben dennoch oft einen fiesen Cliffhanger.
    Die Szenen sind klar und stark erzählt, wenn auch der brutalitätsgrad für mich in diesem Buch nochmal um einen guten Deut in die Höhe gegangen ist. In diesem Sinne war der „Totschläger“ echt High-Level und ich bekam mehr als einmal Herzklopfen beim Lesen! Wahnsinn! Die Gänsehaut ist hier absolut vorprogrammiert!
    Zudem wird der Mörder in diesem Buch sehr persönlich, was für mich auch ein Faktor war, immer weiterlesen zu wollen …

    Chris Carter verarbeitet in diesem Buch ganz klar die leichtfertige Grausamkeit unbedarfter Menschen. Geschwollen ausgedrückt, sorry! Es gibt nur wenig, was schlimmer sein könnte als ein skrupelloser Mörder. Abertausende Internetnutzer ohne Gewissen, die aus morbiden Spaß an der Wahl über Leben und Tod eines Menschen entscheiden gehören aber definitiv dazu.

    Wie bereits angesprochen, bekommt dieser Fall bald eine sehr persönliche Note, die überwiegend Carlos Garcia und seine Frau betrifft. Der Schluss ließ mich daher etwas atemlos und ängstlich zurück. Ich bin wirklich gespannt, wie Chris Carter nun weitermacht …

  • „Elias & Laia: In den Fängen der Finsternis“ | Sabaa Tahir

    Titel im Original:  „A Reaper at the Gates“
    Autor:  Sabaa Tahir
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag:  Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Elias & Laia, Band 3
    Seitenzahl:  523
    ISBN:  978-3-8466-0078-8

    Die Welt wird brennen. Doch sie aus der Asche auferstehen!

    Das Martialenimperium steht am Abgrund:
    Imperator Marcus überzieht das Land mit dem Blut der Unschuldigen, während Blutgreif Helena diese zu schützen versucht. Weit im Osten weiß Laia, dass sie den Nachtbringer aufhalten muss, und das ohne Elias. Denn Elias ist als Seelenfänger an die Zwischenstatt, das Geisterreich, gefunden. Dazu verdammt, bedingungslos zu dienen – auch wenn dies bedeutet, die Frau aufzugeben, die er liebt!
    Ihrer aller Schicksal ist miteinander verknüpft. Und sie alle kämpfen gegen eine uralte Macht, deren Zerstörungskraft sie unterschätzen …

    Meine Meinung

    Mit „Elias & Laia – In den Fängen der Finsternis“ geht Sabaa Tahir in die dritte Runde ihrer Fantasy-Reihe. Zum Inhalt möchte ich diesmal gar nicht viel sagen, da der Klappentext schon unheimlich viel verrät …

    Der Weg für Laia und Helena ist lang und beschwerlich. Gerade bei unseren weiblichen Protagonisten kann man eine sehr schöne Weiterentwicklung feststellen. Sie lernen ihre Fähigkeiten immer besser zu kontrollieren und auch ihre Vergangenheit bzw. ihre Gegenwart wird für den Leser klarer und verständlicher. Elias hingegen verschwindet die meiste Zeit in den Hintergrund. Wir bekommen zwar mit, wie es in der Zwischenwelt für ihn weitergeht, aber das Hauptaugenmerk liegt ganz klar bei den beiden Frauen. Am Ende gehen alle drei Protagonisten charakterlich stark verändert aus diesem Band hervor, was mir sehr gut gefallen hat. Intrigen spinnen sich weiter, Geheimnisse werden aufgelöst und Unklarheiten werden schon langsam logischer!

    Auch in diesem Band wechseln wir wieder nach jedem Kapitel die Perspektive. Dadurch baut sich eine sehr schöne Spannung auf, die sich auch wunderbar bis zum Ende hält.
    Ich würde dieses Buch auf jeden Fall als ein Zwischenband bezeichnen, der in der Grundstimmung merkbar ruhiger ist, aber dennoch mit vielen brutalen Szenen und schockierenden Wendungen aufwartet. Einige Rezensenten haben ihn als „blutrünstig“ bezeichnen, das möchte ich jetzt nicht unterschreiben. Natürlich geht es ähnlich wie in den Vorgängerbänden nicht gerade zimperlich zu, aber Saba Tahir hat viele schöne und lebendige Szenen zum nervlichen Ausgleich eingearbeitet, die mich auch berühren konnten und ein wenig die Schärfe herausgenommen haben.

    Der Schreibstil ist wie erwartet rasant und actionreich und zieht den Leser von der ersten Seite an in die Geschichte, die auch wieder nahtlos an den Vorgängerband anschließt. Die Szenen sind bildgewaltig und stark im Ausdruck. Die Autorin lässt sich aber deutlich mehr Zeit für Details und Feinheiten.

    Ein kleiner Wehmutstropfen sind die Rückblenden …
    Diese fehlen komplett, wodurch man bei einer längeren Lesepause vermutlich schwerer wieder in die Geschichte zurückfinden wird!

    Die Geschichte nimmt immer mehr an Fahrt auf, sodass man das epische Finale beinahe schon sehen kann …

  • „Der Boxer“ | Szczepan Twardoch

    Titel im Original: „Król“
    Autor: Szczepan Twardoch
    Aus dem Polnischen übersetzt von Olaf Kühl
    Verlag: Rowohlt Berlin
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  457
    ISBN: 978-3-7371-0008-3

    Jakub Shapiro ist ein hoffnungsvoller junger Boxer und überhaupt sehr talentiert. Das erkennt auf der mächtigste Warschauer Unterweltpate Kaplica, der Shapiro zu seinem Vertrauten macht. Doch recht Putschpläne gegen die polnische Regierung bringen das Imperium Kaplicas in Bedrängnis: Er kommt in Haft, als ihm ein politischer Mord angehängt wird. Im Schatten dieser Ereignisse bricht ein regelrechter Krieg der Unterwelt los.

    Meine Meinung

    Spätestens seit seinen Roman „Morphin“ gehört Szczepan Twardoch zu den ganz Großen der polnischen Literaturlandschaft. Im Januar 2018 ist nun sein neuester Roman im Rowohlt Berlin Verlag erschienen. Für mich war „Der Boxer“ das erste Buch des Autors, aber ganz sicher nicht das Letzte …

    Jakub Shapiro ist polnischer Jude und ein Gangster, der in die Hände des Großganoven Jan Kaplica gerät, des selbst ernannten Paten von Warschau. Er führt uns die Warschauer Unterwelt im Jahre 1937, mit all ihren Sünden und kriminellen Genossen. Kaplica wacht über die Stadt wie Al Capone über Chicago. Er kontrolliert die Bordelle, treibt Schutzgelder ein und genießt das Leben in neumodischen Autos und dunklen Bars. Shapiro begleitet ihn dabei!
    Der wahre Erzähler jedoch, ist ein im heutigen Israel lebender Offizier, der seine Erinnerungen an seine Jugendjahre in Warschau niederschreibt. Resümierend stellt er fest, dass der Besuch eines Boxkampfes und der Sieg von Jakub Shapiro über Philister sein Leben grundlegend verändert haben. Was der Junge damals noch nicht weiß:  Der Boxer, der ihm die Eintrittskarte für den Kampf beschafft hat, hat auch seinen Vater im Auftrag Kaplicas auf grausame Weise ermordet …

    Szczepan Twardoch besticht durch eine sehr raffinierte Distanz im Erzählstil, die für mich überzeugend die Plastizität und Vielschichtigkeit der Straßenkämpfe, des Drogenhandels, aber auch der Bestechungen und der brutalen Gewalttätigkeiten hervorhebt. Natürlich wird in diesem Kontext auch die Stellung der Bordelle und ihrer Wertigkeit für die polnische Unterwelt thematisiert. Atmosphärisch beeindruckend und ungeheuer genau recherchiert.
    Man könnte das Buch gut mit aktuellen Serienproduktionen à la „Sopranos“, aber auch mit Filmen der Coen-Brüder oder Quentin Tarantino vergleichen.

    Die Gewaltschilderungen und das Gemetzel im Namen des Paten, sind in ihrer Ausführlichkeit nicht nur brutal (wenn auch überwiegend), man findet hier auch sehr feine subtile Schilderungen, die die Fantasie des Lesers ankurbeln. Bei Szczepan Twardoch zählt die Gewalt als literarische Notwendigkeit, denn das Buch steuert unaufhaltsam auf die nahenden Judenmorde zu, wo die Menschlichkeit vollkommen versagt.

    Man bekommt einen guten Einblick in die jüdische Subkultur der 30er Jahre, die klar aufgezeigt, dass auch vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht nicht mehr alles gut war. Der damalige Antisemitismus war auch in Polen ein Thema … auch wenn man heute nichts mehr davon wissen will! Das macht das Buch für mich selbst im Jahre 2019 noch brandaktuell!

  • „Vom Ende eines langen Sommers“ | Beate Teresa Hanika

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Beate Teresa Hanika
    Verlag:  btb Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  317
    ISBN:  978-3-442-75707-7

    Marielle lebt als Bildhauerin in Amsterdam. An einer der ersten warmen Frühlingstage kehrt die 40jährige mit einem riesigen Strauß roter und blassrosa Tulpen vom Bloemenmarkt zurück und findet vor ihrer Wohnungstür ein Paket. Altmodisch verschnürt und geheimnisvoll. Der Inhalt: Tagebücher ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter Franke. Ein Leben lang fühlte Marielle sich von ihr unverstanden. Immer war ihr diese stolze, kühne Frau fremd geblieben. Nun beginnt sie zu lesen. Von jenem langen Sommer 1944, den Franka auf einem Landgut in der Toskana verbracht hatte …

    Meine Meinung

    Als Marielle von einem morgendlichen Spaziergang über den Markt nach Hause kommt, findet sie ein Paket vor ihrer Wohnungstür. Darin befinden sich die Tagebücher ihrer Mutter! Während sie die Notizen liest, reist sie mit der 17-jährigen Franka in die Toskana, zurück in den Sommer 1944 … und erinnert sie sich gleichzeitig an den letzten Sommer mit ihrer Mutter an eben diesem Ort. Sie erinnert sich an die Distanz und die Kälte, die ihr diese Frau entgegen brachte. Und während sie liest, erfährt sie auch die Gründe für dieses Verhalten …

    Mit „Vom Ende eines langen Sommers“ hat Beate Teresa Hanika ein eindrucksvolles und für mich sehr berührendes Buch geschrieben, dass trotz der schweren Thematik und den ernsten Themen mit einer leichten und mitreißenden Erzählstimme besticht! Schon nach den ersten Worten wird klar, dass es sich hier um einen ganz besonderen Roman handeln würde. Es waren die kleinen, leisen Zwischentöne, die mich sofort gefangen nahmen …
    Wir verfolgen die steinige Beziehung zwischen Mutter und Tochter und erfahren, wie Erlebnisse aus der Vergangenheit die Zukunft eines jeden Menschen beeinflussen. Sicherlich kein neues Thema und auch keine neue Art der Darstellung, aber von der Autorin sehr gut umgesetzt. Ich kam unheimlich schnell durch die Seiten und der Spannungsbogen war für mich oft zum Zerreißen gespannt!

    Während des Lesens wechseln wir immer wieder zischen drei Zeitebenen, die in gleichmäßiger Reihenfolge wieder kehren. Die Perspektiven sind ausgewogen, die Kapitel kurz gehalten und der Schreibstil sehr flüssig.
    Beate Teresa Hanika hat ihre Protagonisten wunderbar zum Leben erweckt und glaubwürdig charakterisiert. Man konnte deren Entwicklungen sehr gut und einfach nachvollziehen und oft scheint es, als weisen die Geschehnisse der beiden Frauen Parallelen auf. Obwohl Franka eine sehr kontrollierte und kantige Persönlichkeit ist, berührt einen ihr Schicksal dennoch. Man erfährt, was sie zu dieser unnahbaren und verschlossenen Person werden ließ und warum sie Marielle immer aus ihrem Herzen fernhielt. Dabei spielt der zweite Weltkrieg eine nicht zu unterschätzende Rolle. Und natürlich hatte dieses Verhalten auch starke Folgen für die junge Marielle!

    Auch bildlich ist das Buch gewaltig: Man bekommt hier wunderschöne Landschaften näher gebracht, der Geruch des Oregano steigt einem in die Nase und man hört förmlich die Bandung des Meeres gegen die Felsen schlagen. Ich wollte mehr als einmal beim Lesen durch die Olivengärten spazieren. Die Toskana baut eine ganz eigene Atmosphäre auf!

    Das Buch regt nicht nur zum Nachdenken über die letzten Male an, sondern auch über die Beziehungen die man vielleicht ein bisschen mehr pflegen sollte …
    Ich kann es absolut empfehlen!

  • „Die schwarze Frau“ | Simone St. James

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „The broken Girls“
    Autor:  Simone St. James
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anne Fröhlich
    Verlag:  Goldman Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  443
    ISBN:  978-3-442-48822-3

    Vermont 1950. In dem abgeschiedenen Mädcheninternat  Idlewild Hall erzählen sich die Schülerinnen Schauergeschichten von der „schwarzen Mary“. Doch als eines Nachts eine von ihnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird der Schrecken sehr real.

    2014 ist das Internat eine Ruine, aber die Journalistin Fiona Sheridan kann nicht von Idlewild Hall lassen: Hier wurde vor 20 Jahren ihre Schwester ermordet. Als man bei Renovierungsarbeiten eine weitere Mädchenleiche findet, beginnt Fiona zu recherchieren und rührt dabei an einem dunklen Geheimnis.

    Meine Meinung

    Die kanadische Autorin Simone St. James erzählt uns in ihrem Buch „Die schwarze Frau“ die Geschichte von vier jungen Mädchen, die das obskure Internat „Idlewild Hall“ besuchen. In dem es definitiv nicht mit rechten Dingen zugeht!

    Die Journalistin Fiona Sheridan kommt nicht über den Tod ihrer geliebten Schwester hinweg. Immer wieder zieht es sie zum Fundort der Leiche – einem verfallenen Mädcheninternat – zurück. Viele Legenden kursieren um das düstere Gebäude und auch Fiona bleibt nicht von der Erscheinung einer schwarzgekleideten verschleierten Frau verschont.
    Während die alten Gemäuer von einer geheimnisvollen Investorin saniert werden, finden Arbeiter eine weitere Leiche:  die einer jungen Französin, die 1947 als Kriegsflüchtling nach Amerika ausreisen konnte. Genau dieser Fall lässt Fiona weiter über die Geschichte des Internats nachforschen, bis sie düsteren Geheimnissen auf die Spur kommt … und auch die Hintergründe zum Tod ihrer eigenen Schwester rücken näher!

    Simone St. James hat einen tollen flüssigen und für mich absolut fesselndem Schreibstil. Die Geschichte konnte mich mit ihrer düsteren Atmosphäre und dem subtilen Horror von der ersten Seite weg einfangen. Sie bringt die Emotionen der Charaktere glaubhaft zum Ausdruck und ich konnte hier immer wieder miträtseln, mitfiebern und mich auch sehr oft gruseln. Stück für Stück werden Geheimnisse aufgedeckt und man bekommt als Leser sehr viel Spielraum, sich eigene Gedanken über die Vergangenheit der Mädchen zu machen.

    Der Roman transportiert unglaublich viel nostalgische Melancholie. Die Geschichte führt uns immer wieder zurück in die 50er Jahre, als es in der Gesellschaft noch Gang und Gebe war, sich von „unliebsamen“ Familienmitgliedern zu befreien. Allein um den guten Ruf der Familie zu wahren! Dabei ist es gar nicht wichtig, was sie „verbrochen“ haben, es reicht schon, wenn sie für die Öffentlichkeit zu weit in die Aufmerksamkeit rücken …

    Erst Nach und Nach enthüllt „Idlewild Hall“ sein Geheimnis! Das Zusammenspiel der Charaktere und das Ende, das letztendlich Alle miteinander vereint ist großartig! Die Protagonisten verraten dem Leser nie so viel, dass man sofort auf die Lösung schließen kann …

  • Lesemonat März 2019

    Gelesene Bücher:  10 Stück  |  Abgebrochene Bücher:  0
    Gesamtseitenzahl:  4.314 Seiten
    Ca.
    139 Seiten pro Tag

    5 weibliche Autoren  |  4 männliche Autoren
    2 Autoren aus Deutschland
    2 Autoren aus Amerika
    1 Autor aus Kanada
    1 Autor aus Brasilien
    1 Autor aus den Niederlanden
    1 Autor aus Polen
    1 Autor aus England

    Hardcover:  5 Stück  |  Klappbroschur:  0 Stück  |  Taschenbuch:  5 Stück

    „Hendrikje, vorübergehend erschossen“
    Purschke Ulrike
    217 Seiten
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    „Erste Hilfe“
    Mariana Leky
    186 Seite
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    „Mind Control“
    Stephen King
    523 Seiten
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    „Der Totenkünstler“
    Chris Carter
    443 Seiten
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    „Der Totschläger“
    Chris Carter
    462 Seiten
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    „Der Freund der Toten“
    Jess Kidd
    381 Seiten
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    „Der Boxer“
    Szczepan Twardoch
    457 Seiten
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    „Elias & Laia: In den Fängen der Finsternis“
    Sabaa Tahir
    523 Seiten
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    „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“
    Michel Faber
    679 Seiten
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    „Die schwarze Frau“
    Simone St. James
    443 Seiten
    Rezensionsexemplar
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  • „Der Freund der Toten“ | Jess Kidd

    Titel im Original: „Himself“
    Autor: Jess Kidd
    Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann
    Verlag: Dumont Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  381
    ISBN: 978-3-8321-9836-7

    Im irischen Mulderrig sind Fremde nicht willkommen. Auch der sympathisch-abgerissene Mahony nicht, der obendrein etwas beunruhigend Vertrautes an sich hat. Dass er das mysteriöse Verschwinden seiner blutjungen Mutter vor mehr als 20 Jahren aufklären will, stimmt die Dorfbewohner nicht freundlicher. Ganz im Gegenteil. Einzig die exzentrische und scharfzüngige alte Mrs. Cauley unterstützt in tatkräftig – denn sei glaubt schon lange, dass jeder weiß, was damals wirklich geschah …

    Meine Meinung

    Ich muss ehrlich gestehen, dass mir Jess Kidd bisher als Autorin noch gar kein Begriff war. Mir ist das Buch aufgrund des schönen Covers ins Auge gefallen. Und erst bei näherem Hinsehen sind mir auch die Augen zwischen den frischen grünen Blättern und den filigranen Blüten aufgefallen, die einen so unauffällig beobachten.

    Mulderrig 1950: Im irischen County Mayo wird eine junge Frau langsam und quälend ermordet. Selbst fast noch ein Kind hinterlässt sie ein Baby, das auf den Stufen eines Dubliner Waisenhauses zurückgelassen wird.
    25 Jahre später taucht in Mulderrig ein verblüffend gut aussehender junger Mann auf. Bei seinem Anblick läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter, denn Mahoney blickt sein Gegenüber mit Orlas Augen an … die Augen des Mädchens das vor langer Zeit verscharrt wurde! Mahoney wurde im Waisenhaus stets gesagt, seine Mutter sei eine Hafenhure gewesen, doch ein in ausdrucksvoller Handschrift verfasster Brief verrät ihm seinen richtigen Namen und weist ihm den Weg ins Heimatdorf seiner Mutter. Gemeinsam mit der alternden Mrs. Cauley nimmt er es mit den Lebenslügen einer Dorfgemeinschaft auf, in der vermutlich jeder etwas zu verbergen hat. Ein geplantes Theaterstück dient den beiden als Deckmantel ihrer Befragung und als dann auch noch die Toten von Mulderrig mit Mahoney zu sprechen beginnen, zerstreut das letzte Zweifel, ob er wirklich Orlas Sohn sein kann …

    „Der Freund der Toten“ ist ein Roman, auf den man sich einlassen und von dem man sich vereinnahmen lassen muss, erst dann kann er seine Magie so richtig entfalten. Mit seinem schwarzen Humor und seiner bunten, schrägen und exzentrischen Schar an Protagonisten erzeugt er einen wunderbaren Sog.

    Das ganze Setting wirkt auf mich ganz typisch irisch. Humorvoll, versponnen und voller Glauben an das Übersinnliche. Dabei ist die ganze Handlung sehr real und zeigt uns ein gutes Bild der 50iger und der 70iger Jahre, als der Priester und die Gemeindeschwestern noch über das Leben des Dorfes bestimmen konnten. Ein Rebell wie Mahoney muss unweigerlich den Unmut all der „anständigen“ Mitmenschen auf sich ziehen, zumal er aussieht wie ein Hippie und Fragen über Ereignisse stellt, an die niemand mehr erinnert werden möchten.

    Jess Kidd konnte mich mit ihrer schönen poetischen und bildhaften Erzählweise überzeugen. Ich würde den Schreibstil allerdings nicht als von grundauf flüssig bezeichnen. Die oft nur angedeuteten mystischen Elemente ließen mich immer wieder innhalten und ich genoss es, die Stimmung auf mich wirken zu lassen. Sie belebt jeden Stein und jeden Baum. Äste beugen sich über Kinder, Holzwürmer singen, Flussinseln schlafen, Sonnenlicht folgt den Leuten auf Schritt und Tritt. Dieser Erzählstil schafft eine unglaublich dichte und lebendige Atmosphäre!

  • „Mind Control“ | Stephen King

    Titel im Original: „End of Watch“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 523
    ISBN: 978-3-453-27086-2

    Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten, liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabber und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen.

    Ex-Detective Bill Hodges, der pensionierte Ermittler aus Mr. Mercedes und Finderlohn, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät!

    Meine Meinung

    Brady Hartsfield ist zurück. Der Attentäter, dessen Amokfahrt acht unschuldige Menschen das Leben gekostet hat und zahlreiche Schwerverletzte hinterließ. Bill Hodges, Holly Gibney und Jerome Robinson waren es, die den Verrückten schlagkräftig aus dem Gefecht gezogen haben. Nachdem Bill mit seinen Freunden die erfolgreiche Privatagentur „Finders Keepers“ gegründet hat, werden er und Holly erneut an einen Tatort gerufen: Bills ehemaliger Partner bei der Polizei setzt die Beiden auf einen doppelten Suizid an. Und die Opfer sind für ihn keine Unbekannten …
    Schnell wird klar, dass es nicht bei diesen zwei Toten bleiben wird. Täglich gehen neue Meldungen von Selbstmorden ein. Warum findet Holly bei jedem Toten eine alte Spielkonsole, die eigentlich schon lange vom Markt genommen wurde?

    Seit fünf Jahren liegt Brady Hartsfield nun mit einem Schädel-Hirn-Trauma in einer neurologischen Klinik im Koma … und das ist auch gut so. Aber allmählich fallen dem Klinikpersonal eigenartige Veränderungen im Verhalten ihres Patienten auf, die Bill Hodges auf den Plan rufen. Er ist überzeugt davon, dass Hartsfield das personifizierte Böse und selbst in seinem komatösen Zustand äußerst gefährlich ist!

    Natürlich ist „Mind Control“ wieder ein Plot, den so nur Stephen King ersinnen und spannend zu Papier bringen kann. Anfangs habe ich mich doch sehr darüber geärgert, dass der Titel und der Klappentext schon so viel von der eigentlichen Geschichte verraten. „Mind Control“! Ein Wachkomapatient, der übersinnliche Fähigkeiten entwickelt. Da ist es nicht schwer zu erraten, wer oder was hintern den vermeintlichen Suiziden steckt. Dennoch muss ich eingestehen, dass die Geschichte viel cleverer und strategischer durchdacht wurde, als man nach den Ereignissen in „Finderlohn“ und den Angaben am Buch schon mitbekommt!

    In diesem Buch kehrt der Autor wieder zu seinen Ursprüngen zurück. Vieles hat mich an seine früheren Geschichten erinnert, die auch für mich noch immer zu den Besten gehören! Stephen King schreibt wie gewohnt bildlich und mitreißend. In einer wunderbar fließenden und intensiven Sprache, die genau die richtige Spannung und Atmosphäre aufkommen lässt. Aber auch die für ihn so typische Leichtigkeit ist in diesem Buch wieder zu finden.

    Der Autor verzichtet in „Mind Control“ nahezu auf Nebencharaktere, er fokussiert sich voll und ganz auf seine vier Protagonisten. Zumindest entstand für mich schon sehr schnell dieser Eindruck, da auch Nebenschauplätze deutlich weniger Raum als gewohnt bekommen. Dadurch ist die Geschichte sehr geballt.

    Treten die beiden Vorgänger noch eher als Kriminalromane bzw. Thriller mit Schwerpunkt auf der Ermittlerfigur an den Plan, überwiegen im letzten Teil die übernatürlichen Elemente, die ganz klar in Richtung Horror weisen. Er arbeitet mit leisem Grauen, das sich allmählich in die Geschichte einschleicht und von ihr Besitz ergreift …