„Runa“ | Vera Buck

Autor:  Vera Buck
Verlag:  Limes Verlag
Genre:  Historischer Roman
Seitenzahl:  608
ISBN:  978-3-8090-2652-5

„Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben“
Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpetrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an. Wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen …

Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis

Meine Meinung

„Runa“ ist eine dieser Geschichten, die mich in meinen Grundmauern erschüttern haben.
Ich liebe es ja, Bücher zu lesen, die auf wahre Begebenheiten beruhen. Natürlich wurde auch in diesem Buch  wieder eine fiktive Komponente hinzugefügt, aber ich finde das tut der Geschichte an sich keinen Abbruch. Ich hab das Buch beim Stöbern entdeckt und gleich beim durchblättern, sind mir sofort bekannte Namen wie Dr. Jean-Martin Charcot, Gilles de la Tourette und Joseph Babinski aufgefallen. Alles Ärzte die zum Ende des 19. Jahrhunderts in der Klinik Salpetrière unterrichtet und/oder geforscht haben.
Wir werden hier in eine Zeit entführt, die noch gar nicht so lange vorbei, aber dennoch so weltfremd ist, dass ich es wirklich nur schwer akzeptieren konnte!

Das Buch an sich war wirklich toll zu lesen. Vera Buck hat einen super Job gemacht. Allein schon, was diese Frau an Recherchearbeit hier hineingesteckt haben muss: meinen allergrößten Respekt! Der Schreibstil ist bildlich und flüssig, aber auch spannend und man fliegt nur so durch die Seiten.

Warum hat mich dieses Buch jetzt so aus der Bahn geworfen:
Dr. Jean-Martin Charcot ist bis dato einer der berühmtesten Leiter der französischen Nervenheilanstalt Salpetrière. Er leitete die Klinik bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, die sich bis heute noch mit seinen innovativen Behandlungsmethoden an hysterischen Frauen rühmt. Jeden Dienstag konnte die pariser „High Society“ an einer öffentlichen Vorstellung teilnehmen und die „Künste“ des werten Herrn Docteur bewundern, bei der man am lebenden Versuchsobjekt beobachten konnte, wie hysterische Anfälle auslöst wurden, wie diese ablaufen und wie man sie letztendlich zu der damaligen Zeit „behandeln“ konnte. Unter hysterischen Frauen golten damals junge Frauen (um die 13-14 Jahren) die ihren, in der Regel bedeutend älteren Männer den Geschlechtsakt verweigerten, Frauen, die ihre Männer betrogen haben, Frauen die Onanierten, aber auch Frauen, die ihren Männern schlicht und einfach zu alt, zu lästig oder zu teuer wurden. Diese Frauen wurden einfach an die Klinik verkauft und man(n) war man sein Problem los!
Vera Buck bietet ihren Leser in „Runa“ einen Einblick in genau diese Abgründe. Man verfolgt sehr anschaulich und ohne große Verschönerungen, welche mittelalterlichen Heilmethoden an diesen Frauen erprobt wurden. Mal davon abgesehen, dass diese Methoden barbarisch und grausam waren, wurden sie so plastisch und detailliert von der Autorin beschrieben, das ich beim Lesen oft pausieren und verarbeiten musste.
Mal ehrlich? Wir befinden uns hier im Jahre 1884! Knapp 30 Jahre später, kam mein Großvater auf die Welt. Wir sind noch gar nicht so lang von dieser Zeit entfernt! Und allein diese Gewissheit hat noch sehr lange Zeit in mir rumort und gearbeitet.

In einem zweiten Handlungsstrang verfolgen wir auch noch den ehemaligen Polizeiinspektior Lecoq der in mehreren Mordfällen ermittelt, die mit merkwürdigen Schriftzeichen zusammenhängen. Monsieur Lecoq quittiert seinen Dienst, nach dem er feststellen musste, dass er nach der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis zur Physiognomie ein Verbrechergesicht hat. Leider tut er sich sehr schwer mit seiner Karriere als Verbrecher …

Die Geschichte Rund um das Mädchen Runa brennt sich einen wirklich in deinen Kopf ein!
Lesenswert von der ersten bis zur letzten Seite!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code