„Stell dir vor, dass ich dich liebe“ | Jennifer Niven

Titel im Original: „Holding up the Universe“
Autor:  Jennifer Niven
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Maren Illinger
Verlag:  Fischer Verlag
Genre:  Roman  |  Jugendbuch
Seitenzahl:   457
ISBN:  978-3-7373-5510-0

Jack ist der Coolste, der Schönste, von allen geliebt und begehrt. Doch Jack hat ein Geheimnis: Er kann sich nicht an Gesichter erinnern – nicht mal an das seiner aktuellen Freundin! Dass seine Coolness nur Selbstschutz ist, durchschaut niemand. Bis Libby in sein Leben tritt. Von allen Menschen ausgerechnet Libby. Ein No-go. Sozialer Selbstmord. Und der einzige Mensch auf der ganzen verdammten Welt, der die Wahrheit schöner findet als all die perfekten Lügen …

Meine Meinung

„Stell dir vor, dass ich dich liebe“ ist der zweite Roman von Jennifer Niven. Mit ihrem Debut „All die verdammt perfekten Tage“, das im Jahre 2015 erschienen ist, konnte sie sich bei mir ganz hoch in der Liste meiner liebsten Autoren einreihen. Warum ich jetzt aber so lange gebraucht habe, um mir ihr neues Buch zu greifen, weiß ich wirklich beim besten Willen nicht! Ich schätze, manchmal muss der richtige Moment einfach da sein.

Wie schon in ihrem ersten Buch stehen auch hier wieder zwei Teenager im Mittelpunkt der Handlung, die mit ihren Problemen zu kämpfen haben. Auf der einen Seite ist da Libby, die lange Zeit als der „fetteste Teenager Amerikas“ gegolten hat und sich nun nach einem langen Abnehmmartyrium zurück in ihre Selbstständigkeit gekämpft hat. Das Buch startet am ersten Tag des neuen Schuljahres und man merkt schnell, das Libby mit Anfeindungen und Mobbing zu kämpfen bekommt.
Auf der anderen Seite ist da Jack. Er ist beliebt, ein fescher junger Mann und wenn man nicht näher hinsieht, könnte man meinen, Jack Masselin führt ein sehr einfaches und beschwingtes Leben. Aber der Schein trügt:  Bisher hat sich Jack noch niemanden anvertraut, aber er leidet an Prosopagnosie. Das heißt, er kann zwar die Gesichter der Menschen sehen, aber sie sich nicht merken, geschweige denn, sie im Langzeitgedächtnis abspeichern. Noch nicht mal seine Familie weiß davon. Doch dann tritt Libby in sein Leben …

Ich weiß, dass diese kleine Zusammenfassung unnötig war, weil ich ja zu allen Rezensionen einen Klappentext beifüge, aber ich finde, in diesem Fall ist der Originaltext extrem negativ behaftet.
Kommt das nur mir so vor?  Was sagt ihr?

Die Geschichte wird abwechselnd aus Jacks und Libby’s Perspektive erzählt, in sehr kurzen und schlüssigen Kapiteln. Gerade durch diesen Perspektivenwechsel gewinnt die Geschichte unheimlich an Rhythmus und der Leser bekommt das Gefühl aktiv dabei zu sein, da man unmittelbar aufeinanderfolgend beide Seiten zu hören bekommt. Man erlebt mit, wie sich die beiden Charaktere im Laufe der Geschichte weiterentwickeln und stärker werden.

In „Stell dir vor, dass ich dich liebe“ findet ihr mit Abstand eine der schönsten Erste Dates beschrieben, die ich bis jetzt in einem Buch gelesen habe. Diese Bilder muss man einfach aufsaugen.

Durch Jacks Gesichtsblindheit bekommen wir in seinen Kapiteln immer wieder Erklärungen, wie er die Menschen auseinanderhält. Beschreibungen wie die Frisur, die sich bei „Arbeits-Mum“ und „Zuhause-Mum“ ändert oder welche Merkmale bei seinen Freunden ganz wichtig sind. Sehr Spannend zum lesen!

Es gibt wunderschöne Momente in der Geschichte. Aber auch Momente, in denen man einfach nur wütend ist und das Buch gegen die Wand werfen könnte. Ihr findet hier aber keine dramatischen oder total überspitzten Szenen. Ganz im Gegenteil: Die Geschichte wird weniger von der tatsächlichen Handlung bestimmt, als von der Entwicklung der beiden Charaktere. Keine Hollywood-Dramatik. Das macht Jennifer Nivens Geschichten aus und macht sie zu einer so tollen und lesenswerten Autorin.

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