„Trotzdem“ | Ferdinand von Schirach & Alexander Kluge

Autor:  Ferdinand von Schirach | Alexander Kluge
Verlag:  Luchterhand Verlag
Genre:  Gesprächsprotokoll
Seitenzahl:  75
ISBN:  978-3-630-87658-0

Das Corona-Virus hat uns an eine Zeitenwende gebracht.
Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche!

Am 30. März 2020, 19 Tage nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ausbreitung eines neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) zu einer Pandemie erklärt hatte, führten Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach zwei Gespräche über einen Instant-Messaging-Dienst!

Meine Meinung

Wer sich mit den möglichen Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemie auf unsere Gesellschaft beschäftigen möchte, kann dazu mittlerweile sehr viele Bücher lesen. „Trotzdem“ gehört in meinen Augen definitiv zu den empfehlenswertesten!

In dem Buch verfolgen wir die Unterhaltung zwischen den beiden Juristen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge, die nicht nur durch Intellekt und Scharfblick, sondern auch mit dem richtigen Weitblick auf dieses mittlerweile doch sehr nervenaufreibende Thema überzeugen.
Das Büchlein beeindruckt auf seinen knapp 75 Seiten gerade durch die offene Klarheit und Prägnanz zu diesem Thema.

Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge beantworten Fragen von der Rechtmäßigkeit heutiger Einschränkungen bis hin zur Zukunft Europas. Das Corona-Virus schafft eine Zeitenwende, die Zweierlei möglich macht: „das Strahlende und das Schreckliche“. Während manche einen „Shutdown unserer Grundrechte“ zu erkennen glauben, bleibt Ferdinand von Schirach zuversichtlich: „Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden.“ Doch auch er warnt vor einer Verfestigung autoritärer Strukturen, an die sich die Menschen bald gewöhnen könnten, und fordert deshalb zwingend eine zeitliche Befristung jeder Maßnahme, die zudem vier Voraussetzungen erfüllen muss: Sie muss einen legitimen Zweck verfolgen, geeignet, erforderlich und angemessen sein. Würde man den Menschen zum Beispiel ihre Fahrerlaubnis entziehen, um Leben zu schützen und Tausende Verkehrstote pro Jahr zu vermeiden, wäre auch dies zwar legitim, aber nicht angemessen. Die beiden Männer stellen sich der interessanten Frage nach langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf unsere gesellschaftliche Entwicklung.

Einerseits ist „Trotzdem“ ein Protest, sich als Mensch nicht von dem Virus und den Einschränkungen unterkriegen zu lassen, sondern auch an die Zukunft zu glauben. Andererseits ist es nichts weniger als ein eindrucksvoller Aufruf zweier selten kluger Köpfe, den Shutdown als eine einmalige Chance für einen sinnvollen Neuanfang, einen wohl überlegten und zukunftsweisenden Wiederaufbau zu nutzen, statt gedankenlos und allzu bequem die veralteten Strukturen mit ihren längst erkannten Mängeln wieder aufzunehmen.

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